Hessische Pharmafirma
Rückruf und politische Krisen belasten Biotest

Biotest muss die Erwartungen für das Gesamtjahr herunterschrauben: Ein Rückruf und politische Krisen haben dem hessischen Pharmaunternehmen zugesetzt. Am Umsatzziel von einer Milliarde bis 2020 hält man aber weiter fest.
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BerlinDer scharfe Wettbewerb in den USA und der Rückruf eines wichtigen Medikaments verhageln dem hessischen Pharmaunternehmen Biotest die Jahrespläne. Zudem lasten die aktuellen politischen Krisen auf dem Geschäft, wie das Unternehmen aus Dreieich bei Frankfurt am Montagabend mitteilte. Biotest erwartet für das Gesamtjahr jetzt nur noch ein Betriebsergebnis (Ebit) geringfügig über Vorjahresniveau und einen Umsatzanstieg von etwa sieben Prozent. Noch im Mai hatte die Konzernführung einen Zuwachs von jeweils zehn Prozent in Aussicht gestellt. Im ersten Halbjahr nahm der Betriebsgewinn leicht um 2,3 Prozent auf 26,5 Millionen Euro zu.

Biotest hatte im Februar in den USA einige Chargen des Immunglobulins Bivigam wegen Mängeln an einigen Glasflaschen zurückgerufen. Dies dämpfte im ersten Halbjahr die Umsätze mit dem Präparat. Dazu kämpft Biotest im US-Markt mit einem harten Wettbewerb bei solchen Plasma-Produkten. Beide Faktoren werden Biotest zufolge auch die Umsatz- und Ergebnisentwicklung im gesamten Geschäftsjahr belasten. Zudem befürchtet das Management, dass die unsichere politische Großwetterlage das Geschäft zusätzlich bremst. "Aufgrund der politischen Krisen in Russland und dem Nahen Osten können wir weitere negative Folgen für das operative Geschäft nicht mehr ausschließen", erklärte die Konzernführung.

Die Hessen stellen Blutplasma-Produkte her und entwickeln Antikörper-Arzneien gegen Krebs und Arthritis. Die aus Blut gewonnenen Gerinnungsfaktoren und Immunglobuline kommen bei Erkrankungen des Immunsystems, bei Gerinnungsstörungen sowie bei schweren Verletzungen zum Einsatz. Im ersten Halbjahr baute Biotest den Konzernumsatz um 8,5 Prozent auf 264,1 Millionen Euro aus. Der Konzerngewinn sank hingegen binnen Jahresfrist um 9,8 Prozent auf 13,8 Millionen Euro.

Biotest investiert gegenwärtig kräftig in die Weiterentwicklung seiner Antikörper-Programme. Im ersten Halbjahr nahmen die Forschungsausgaben deshalb um 13,5 Prozent zu. Das Unternehmen ist zudem dabei, seine Produktion am Stammsitz Dreieich zu vergrößern. Bis 2018/19 sollen die Produktionskapazitäten dort verdoppelt werden. Biotest hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 die Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro knacken. Im vergangenen Jahr wurden 500,8 Millionen Euro Umsatz erzielt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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