Hewlett-Packard-Affäre
Räuber und Gendarm

Hewlett-Packard-Chef Mark Hurd steht unter Zugzwang: Am Donnerstag will er vor einem Kongressausschuss in Washington Fragen zur Spitzelaffäre beantworten – und diese endgültig unter Kontrolle bringen. Doch das ist alles andere als leicht. Eine Handelsblatt-Reportage.

PORTLAND. Die Spannung steigt, als Mark Hurd den Raum betritt. Der sonst eher kühle Technokrat ist sichtlich nervös. Mit leicht zittriger Stimme liest der Konzernchef am Freitagnachmittag in der Zentrale von Hewlett-Packard (HP) die Stellungnahme vor.

Es geht um die Spitzelaffäre, die den Ruf des hoch angesehenen US-Technologiekonzerns wie eine Schlammwoge zu überschwemmen droht. Es geht um fragwürdige Methoden, um undichte Stellen im Verwaltungsrat von HP aufzudecken, die vertrauliche Informationen an Medien weitergegeben haben. Und es geht um den Kopf des Konzernchefs.

Hurd spricht von „betrüblichen Methoden“ und entschuldigt sich bei HP-Verwaltungsräten und Journalisten, deren Identitäten Ermittler im Auftrag von HP gestohlen hatten, um in ihrer Privatsphäre zu schnüffeln. Und er räumt erstmals öffentlich ein, dass er von dem Vorgehen gewusst habe. Einen Bericht über die Untersuchungen bei HP habe er aber nicht gelesen: „Ich hätte dies tun sollen.“

Fragen beantwortet Hurd nicht. Das spart er sich für den kommenden Donnerstag auf. Dann will er zusammen mit der bisherigen Verwaltungsratsvorsitzenden Patricia Dunn und anderen Verantwortlichen in Washington vor einem Kongressausschuss aussagen, der die Vorgänge durchleuchten will.

Sein Auftritt vor der Presse am Freitag ist der zweite kalkulierte Versuch eines geordneten Rückzugs in der peinlichen Affäre – diesmal rollen Köpfe. Patricia Dunn scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Verwaltungsrat aus. Hurd übernimmt an ihrer Stelle den Vorsitz. Zwei hochrangige Manager, Syndikus Kevin Hunsaker, der ausgerechnet für Betriebsethik zuständig ist, und Anthony Gentilucci, der an der Planung der Bespitzelungen aktiv beteiligt war, werden gefeuert. Zusätzlich beauftragt Hurd den ehemaligen Staatsanwalt Bart Schwartz mit einer gründlichen Durchleuchtung der Ermittlungs- und Geschäftspraktiken von HP. Schwartz berichtet direkt an Hurd und Finanzchef Bob Wayman.

Vor einer Woche noch hoffte Hurd, die Wogen mit kleinen Zugeständnissen glätten zu können. Eine interne Untersuchung sollte die Affäre aufarbeiten, und Dunn würde im Januar vorzeitig den Vorsitz im Verwaltungsrat an Hurd abgeben, aber Mitglied des Gremiums bleiben.

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