Hexal-Gründer : "Harte Zeiten für Pharmakonzerne"

Hexal-Gründer
"Harte Zeiten für Pharmakonzerne"

Der Hexal-Gründer Thomas Strüngmann sagt den internationalen Pharmakonzernen angesichts weniger Neuentwicklungen und steigender Kosten harte Zeiten voraus. Die Zukunft liege in personalisierter Medizin.
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Die Forschungsabteilungen der großen Pharmaunternehmen lieferten keine Neuerungen, produktiv seien nur die kleinen Einheiten, sagte der Manager, der mit seinem Zwillingsbruder Andreas in Deutschland zu den größten Investoren in der Biotechbranche gehört, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagausgabe). „Von zehn neu zugelassenen Produkten sind zurzeit doch höchstens drei wirklich innovativ. Die Branche wird deshalb noch durch ein tiefes blutiges Tal gehen“, prognostiziert Strüngmann.

Die Strüngmann-Brüder hatten 2005 den von ihnen gegründeten Generikahersteller Hexal für 5,6 Milliarden Euro an den Schweizer Pharmakonzern Novartis verkauft. Danach hatten die Unternehmer kräftig in die deutsche Biotechbranche investiert und sich unter anderem an den Firmen 4SC und Medigene beteiligt.

Insgesamt steht die Pharmabranche Thomas Strüngmann zufolge vor einem Wandel. Künftig werde nicht mehr die Krankheit behandelt sondern der Patient. „Das heißt auch, dass die Zeit der Blockbuster-Präparate mit mehr als einer Milliarde Dollar Umsatz im Jahr vorbei ist“, erwartet der Investor. Die Zukunft der Pharmaindustrie sieht er in der molekularen Diagnostik und in der personalisierten Medizin, worunter Medikamente verstanden werden, die mittels Gentests ganz auf einzelne Patientengruppen zugeschnitten sind. Künftig werde der Preis für ein Medikament nicht mehr von den Herstellern gestellt, sondern von den Kassen und den großen Organisationen der Patientenversorgung. Deshalb werde sich die Branche in den nächsten zehn Jahren stärker verändern als in den vergangenen 50, glaubt Strüngmann.

Für die Verwertung der Patente auf neue Medikamente spielten Kosten-Nutzen-Erwägungen mittlerweile eine immer stärkere Rolle. „Heute entscheiden Kosten-Nutzen-Überlegungen schon viel früher, welches Medikament verordnet wird und welches nicht.“ Strüngmann zufolge ist dies eine Folge der weiter steigenden Gesundheitsausgaben in den Industrieländern. Trotz des zunehmend härteren Umfelds für die Arzneimittelbranche bleibt Strüngmann aber zuversichtlich für seine Investments. Er rechne etwa beim Impfstoffhersteller Inmatics spätestens 2016 mit ersten großen Erfolgen. „Die Substanzen, individuell hergestellte Vakzine gegen Krebs, befinden sich jetzt schon in der entscheidenden klinischen Testphase vor ihrer Zulassung.“ Auch von den anderen Beteiligungen werde es in den nächsten 24 Monaten Positives zu hören geben. Natürlich würden auch Flops vorkommen, aber nicht alles werde fehlschlagen. „Und mindestens eines der zehn Unternehmen, an denen wir beteiligt sind, wollen wir bis zur Marktreife finanzieren“, sagte Strüngmann.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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