Solche Imagepflege kann sich Syngenta gut leisten. Der Aktienkurs hat sich in zwei Jahren verdoppelt. Der Agrarchemiekonzern fuhr mit 7,4 Milliarden Dollar in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Rekordumsatz ein. Der Umsatz soll in diesem Jahr um 17 Prozent steigen. Konkurrenten wie die US-Konzerne Monsanto und Du Pont sowie BASF und Bayer können sich im Agrarbereich über ähnliche Steigerungen freuen.
Die Klimawandel-Debatte facht den Boom der Agrarriesen zusätzlich an. Syngenta entwickelt Enzyme, mit deren Hilfe sich Biotreibstoffe herstellen lassen. Eine Studie der Credit Suisse attestierte dem Düngemittelhersteller auch deswegen kürzlich große Ertragschancen.
Die selber angehobene Gewinnerwartung muss Syngenta-Chef Michael Pragnell allerdings nicht mehr erfüllen. Das überlässt er seinem im Sommer nominierten internen Nachfolger Mike Mack. „Michael and Mike“ sind gerade dabei, den sanften Übergang zu gestalten. Währenddessen haben sie sich nach außen eine Schweigeperiode verordnet.
Mit den Toten in Brasilien hat Mack nun allerdings seine erste Minikrise, verliert doch das Bemühen von Syngenta, sich als sauberer Konzern zu profilieren, der nur die Ernährungsprobleme der Welt lösen will, an Glaubwürdigkeit.
Einer, der an Syngentas Image gar nicht glauben mag, ist Roberto Requião, der Gouverneur von Paraná. Er lehnt Gensoja ab, und er hat die Polizei in den vergangenen Wochen angewiesen, die von der Landlosenbewegung besetzte Farm von Syngenta nicht zu räumen – obwohl Brasiliens Justiz das angeordnet hatte. In seiner Wut, die bei vielen seiner Landsleute gut ankommt, forderte Requião sogar die Enteignung der Schweizer.
Dazu kam es nicht, aber der Einfluss des Gouverneurs reichte, um an jenem verhängnisvollen Sonntagmorgen des 21. Oktober dieses Jahres 200 Landlose anzustacheln, auf die Versuchsfarm von Syngenta vorzudringen und vier diensthabende Sicherheitsleute zu vertreiben.
Doch die kehren mit Verstärkung zurück: Um 13.30 Uhr rücken sie an, um die Farm zurückzuerobern. „Dafür haben wir keinen Befehl bekommen“, räumt Nerci de Freitas ein, der Chef der Sicherheitsfirma, die von Syngenta mit dem Schutz des Geländes betraut wurde. „Wir haben den Entschluss selbst gefasst.“
Was nach der Rückkehr der Sicherheitsleute geschah – darüber gehen die Versionen auseinander: „Sie kamen mit einem Kleinbus und einem Auto und eröffneten ohne Vorwarnung das Feuer auf uns“, lautet die Version eines Mitgliedes der Landlosenbewegung. „Wir wollten einen unserer Mitarbeiter rausholen, der als Geisel gehalten wurde“, rechtfertigt sich dagegen Sicherheitsmann Nerci de Freitas und fügt hinzu: „Wir sind es, die sofort beschossen wurden.“
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