High-Tech-Flugzeuge
Rüstungsriesen geraten bei Drohnen ins Hintertreffen

Im Afghanistan-Krieg entwickeln sich unbemannte Flugzeuge zu einem großen Geschäft - vor allem für die Amerikaner. Die europäische Industrie will sich nicht abhängen lassen. Doch die Haushaltsnot könnte der Rüstungsbranche einen Strich durch die Rechnung machen.
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MÜNCHEN/PARIS. Das Flugzeug der Zukunft hat keine gläserne Pilotenkanzel mehr, sondern einen unscheinbaren Buckel. Statt einem Menschen beherbergt dieser Buckel modernste Radar-, Infrarot- und Kommunikationstechnik. Stefan Zoller würde den europäischen Regierungen gerne solch ein unbemanntes Flugzeug, Drohne genannt, bauen. Doch der Chef der EADS-Rüstungssparte Cassidian hat einen übermächtigen Gegner: die Haushaltsnot. "Wir brauchen diese Technologie für die Zukunftsfähigkeit unserer Industrie in Europa", warnt der Manager.

"Talarion" heißt Zollers Flieger. Das jetgetriebene Aufklärungsflugzeug (Unmanned Aerial Vehicle, kurz UAV) ist fast so groß wie ein kleiner Airbus und soll EADS? Eintrittskarte in die Königsklasse der Drohnentechnik sein. 1,5 Mrd. Euro sollen die europäischen Militärs für die Entwicklung berappen.

Doch die beißen nicht an. "Verzicht auf Realisierung", steht im Streichpapier von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zum Thema Talarion. Selbst Frankreich erwägt nun den Kauf der US-Drohne "Predator" von Marktführer General Atomics. Frankreichs Soldaten in Afghanistan brauchen dringend mehr High-Tech-Aufklärungsdrohnen. "Eine Entscheidung fällt Ende des Monats", heißt es aus dem Umfeld von Verteidigungsminister Hervé Morin.

Der Predator scheint die Europäer aus dem Feld zu schlagen. "Kurzfristig ist keine europäische Lösung verfügbar", beklagt das französische Verteidigungsministerium. Die US-Drohne gibt es von der Stange, Cassidians Talarion ist noch in der Entwicklung.

Amerikaner haben deutlichen Vorsprung

"Bei den großen UAVs haben die Amerikaner einen sehr deutlichen Vorsprung gegenüber Europa und dem Rest der Welt", sagt Sascha Lange vom Drohnenspezialisten EMT. Der Mittelständler entwickelt taktische UAVs, wie das Kleinflugzeug Luna, mit dem die Bundeswehr und die Europäischen Verbündeten in Afghanistan bereits 15 000 Einsätze geflogen sind. "Gegen technisch unterlegene Gegner hat der Einsatz von Drohnen große Vorteile."

Das haben die Israelis in den 80er-Jahren bereits erkannt und die ersten modernen Drohnen gegen die Hisbollah im Libanon entwickelt. Die Technik gelangte zu den Amerikanern, die seit dem "Kampf gegen den Terror" massiv auf den Einsatz von UAVs bauen. Neben Aufklärungsdrohnen setzt das US-Militär die bereits von den Israelis entwickelten Kampfdrohnen ein. Beinahe täglich starten UAVs vom Typ Predator und "Reaper" Attacken im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Sie fliegen autonom zu ihren Zielen, ihre Raketen werden von Offizieren am Boden bedient. Entsprechend geben heute zwei Unternehmen bei Drohnen weltweit den Ton an: die Israel Aerospace Industries (IAI) und der US-Konzern General Atomics.

Drohnen sind ein Paradigmenwechsel in der militärischen Luftfahrt: Der fehlende Pilot hat aus Sicht von Technikern und Militärs mehrere Vorteile. Das Risiko des Verlustes beschränkt sich auf das Gerät. Drohnen werden nicht müde und können mehrere Tage im Einsatz sein. Teure, lebenserhaltende Systeme fehlen, das spart Kosten und schafft mehr Platz für Treibstoff, Elektronik und Waffen.

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  • Diesem Artikel ist leider nichts hinzuzufügen, außer der Tatsache, dass das Gorbatschow-Diktum "Wer zu spät kommt..." auch für den UAV-Markt gilt. Nationale Eifersüchteleien und Alleingänge zwischen Deutschland und Frankreich einerseits, jahrelanges "Aussitzen" des Themas beim EADS-Topmanagement und die nachhaltige Verärgerung des deutschen Kunden über Liefertreue und (mangelnde) Qualität in wesentlichen bereichen rächen sich auf die Dauer. betrüblich nur, dass die Mitarbeiter diese Zeche zahlen müssen !

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