Hilfe von Staat oder Investoren?
Bei Schaeffler wird offenbar das Geld knapp

Nach dem Einstieg beim Autozulieferer Continental scheint jetzt das Geld bei Schaeffler knapp zu werden. Um Kosten zu sparen, hat der fränkische Familienkonzern seine Mitarbeiter um Lohnverzicht gebeten. Derweil kursieren Spekulationen über den Einstieg eines arabischen Investors. Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht aber keine Chance für einen externen Investor. Für ihn bleibt nur eine Option.

tia/HB DÜSSELDORF/HANNOVER. Schaeffler verhandelt mit seinen Mitarbeitern, um den zweiten Teil einer tariflich vereinbarten Lohnerhöhung um ein halbes Jahr zu verschieben. Schaeffler hatte sich mit der kreditfinanzierten Übernahme des dreimal größeren Konkurrenten Continental verhoben. Offenbar brauchen die Franken fünf Milliarden Euro frisches Kapital.

Anleger haben am Dienstag begeistert auf Spekulationen über einen möglichen arabischen Investor für den Autozulieferer Continental oder seinen angeschlagenen Großaktionär Schaeffler reagiert. Die Conti-Aktien verteuerten sich am Dienstag um zeitweise um mehr als zehn Prozent. Laut Medienberichten prüft der arabische Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) einen Einstieg mit 20 bis 25 Prozent bei dem fränkischen Familienunternehmen oder Conti. Allerdings sei noch offen, ob es am Ende tatsächlich zu konkreten Verhandlungen kommt.

Schaeffler sucht seit Monaten nach Investoren - bislang aber ohne Erfolg. Geldgeber scheuen das hohe Risiko eines Einstiegs bei Conti/Schaeffler. "Finanzinvestoren haben sich in jüngster Zeit die Finger mit Autozulieferern verbrannt", sagte ein Banker mit Blick auf den insolventen, im Besitz von Carlyle befindlichen Türscharnier-Hersteller Edscha.

Noch skeptischer ist Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen: "In der größten Finanzkrise seit dem zweiten Weltkrieg und in einer sehr ernsthaften Weltwirtschaftsrezession sind die Chancen für einen externen Investor gleich null." Die aus der Krise folgenden Umsatzeinbrüche, der Absturz von Continentals Aktienkurs und das verschlechterte Rating der Schaeffler-Conti-Gruppe machten es fast unmöglich, die Unternehmen für die Übergangszeit bis 2015 zu finanzieren. Zumal er derzeit auch kaum Chancen für den Verkauf von Unternehmensteilen sieht, etwa der Conti-Reifensparte, um die Liquidität zu steigern.

Dudenhöffers Antwort auf die Frage, wie Schaeffler sich aus dieser Bredouille befreien kann, fällt eindeutig aus: "Die einzige Möglichkeit ist die Staatsbürgschaft." Der Branchenexperte plädiert dafür, dass die im Konjunkturpaket II vorgesehenen Mittel für Bürgschaften und Kredithilfen dafür in Anspruch genommen werden. In einer betriebswirtschaftlichen Analyse kommt er zu dem Schluss: "Gelingt es, die hohe Verschuldung zu meistern, ist die Chance groß nach der Krise ertragreich zu wachsen." Dudenhöffers Modell zufolge würde der Schuldenberg bis ins Jahr 2011 noch um gut eine Mrd. Euro wachsen, auf dann 23,71 Mrd. Euro. "Aber mit Beginn des Jahres 2012 sind die Voraussetzungen gut, die Schuldenlast langsam abzubauen." Im Jahr 2020 könnte sie demnach erstmals kleiner als zehn Mrd. Euro sein. Selbst in einem Worst-Case-Szenario würde sie bis dahin auf 16,77 Mrd. Euro sinken.

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