Hilfsaktionen
Der Nächste, bitte!

Ruf nach Vater Staat: Im Schatten der ausufernden Finanzkrise bahnt sich die nächste Hilfsaktion der US-Regierung an, dieses Mal für die am Boden liegende Autoindustrie. Weitere Branchen dürften folgen - Kritiker befürchten einen drohenden Subventionswettlauf.

NEW YORK. Stellvertretend für die großen drei Hersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler bat GM-Konzernchef Rick Wagoner am vergangenen Freitag vor dem US-Senat um staatlich abgesicherte Darlehen im Volumen von 25 Mrd. Dollar. Das sei "eine gute Summe", um die Entwicklung spritsparender Fahrzeuge voranzutreiben, sagte Wagoner.

Der scheidende Präsident George W. Bush werde die Anfrage prüfen, sagte Tony Fratto, Sprecher des Weißen Hauses. Weil derzeit viele Industrien mit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kämpften, müsse man als US-Regierung jedoch "sehr vorsichtig" sein, ergänzte Fratto. Parlamentschefin Nancy Pelosi hat sich bereits für schnelle Hilfen ausgesprochen, ebenso der Mehrheitsführer im US-Senat, Harry Reid. Er werde sich dafür einsetzen, die Finanzierung bis Ende des Monats durchzubringen, sagte Reid.

Auch die Investoren spekulieren darauf, dass Detroit mit seiner Bitte durchkommen wird. Aktien von GM und Ford sind in der Vorwoche deutlich gestiegen. Der schwer angeschlagene US-Marktführer GM gilt als dringlichster Anwärter, weil Investmentbanken zuletzt ein Konkurs-Szenario für 2009 an die Wand gemalt hatten. Im Zuge der Kreditklemme möge sich der Kongress "beeilen", räumte Vorstandschef Wagoner ein. GM verbrennt derzeit rund eine Mrd. Dollar pro Monat, Ford und Chrysler geht es kaum besser.

Die Konzernchefs sind jedoch bemüht, das milliardenschwere Paket nicht wie eine Rettungsaktion aussehen zu lassen. Die Kredite seien bereits im Vorjahr autorisiert worden, nachdem GM, Ford und Chrysler zugesichert hatten, den Spritverbrauch ihrer Flotten bis 2020 um 40 Prozent zu senken. "Die Kredite sind keine Notmaßnahme", betonte Ford-Chef Alan Mulally.

Jenseits der US-Autoindustrie sorgt der Vorstoß gleichwohl für heftige Kritik. "Wenn sie Wahlstimmen in Michigan gewinnen wollen, können sie alles Mögliche versprechen", sagte der frühere Chairman der US-Börsenaufsicht SEC, Richard Breeden. Mit Blick auf die Risiken für die Gesamtwirtschaft sei die Lage der US-Autohersteller aber "keine direkte Bedrohung". Eine staatliche Rettungsmaßnahme sei nur vertretbar, wenn der Bankrott einen ausbreitenden Effekt habe und zuvor gesunde Unternehmen mit in die Insolvenz zu reißen drohe, sagte er der "New York Times".

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