Hintergrund
Die Autobruchlandung der Schwedenflieger

Saab, dieser Name stand lange Zeit für vom Flugzeugbau inspirierte Autos. Eigenwillig im Design, ausgefeilt in der Technik. Nun steht die Lieblingsmarke von Architekten und Zahnarzt-Gattinnen am Abgrund. Eine bittere Bruchlandung für ein Unternehmen, das einst mit Militärflugzeugen abgehoben war.

FRANKFURT. Mehr als ein halbes Jahrhundert ist es her, dass die Flugzeugingenieure der schwedischen Firma Svenska Aeroplan Aktie Bolaget ihr erstes Auto konstruierten. Jetzt droht der traditionsreichen Marke endgültig die Bruchlandung. Das Unternehmen meldete am Freitag Gläubigerschutz an. Das sagte ein Unternehmenssprecher der Tochter des angeschlagenen US-Autobauers General Motors im schwedischen Radio. Saab will sich laut Medienberichten durch den Schritt die Möglichkeit verschaffen, das Unternehmen umzubauen und sich aus dem GM-Konzernverbund zu lösen.

Mit Saab steht eine Traditionsmarke am Abgrund, die zu den kleinsten Autoherstellern Europa zählte und chronisch mit Verlusten kämpfte. Den letzten Gewinn machten die Schweden vor acht Jahren. Schuld daran ist vor allem eine mickrige Modellpalette, die sich bis heute auf zwei Kernmodelle, den Saab 9.3 und den Saab 9.5 konzentriert - und schwedischer Eigensinn. So sollte nach dem Willen der GM-Manager schon bei der letzten Generation von Opel Vectra und Saab 9.3 stark auf gemeinsame Komponenten gesetzt werden. Doch eigenmächtige millionenteure Änderungen am Konzept durch die Schweden machten die Pläne in letzte Sekunde zunichte, erzählen GM-Manager kopfschüttelnd.

Eigenwilligkeit und Individualismus sind allerdings Charaktereigenschaften, die zu den prägenden Eigenschaften der schwedischen Nischenmarke und in ihrem Premiumimage gehören. So gilt die Marke aus dem Norden Europas neben der schwedischen Marke Volvo aus dem Hause Ford als bevorzugte Marke für Architekten, Lehrer und Zahnarzt-Gattinnen. Das Unternehmen wurde 1937 zur Herstellung von Militärflugzeugen gegründet. Die Skandinavier machten sich mit ihren seit 1947 gebauten Autos zunächst einen Namen durch ungewöhnliche aerodynamische Formen und später durch aufwendige Sicherheitstechnik.

Doch die Schweden versenkten selbst als sie noch der einflussreichen schwedischen Wallenberg-Familie gehörten, bereits Millionen. Die GM-Übernahme im Jahr 1990 wurde als Rettung für das Unternehmen aus Trollhättan bei Göteborg gefeiert. Doch die Amerikaner hatten kaum Freunde an ihrer Neuerwerbung. Bis auf eine kurze Phase in den 90er Jahren brachte Saab dem Mutterunternehmen stets Verluste ein. 2005 zog der Mutterkonzern daraufhin die Reißleine und verordnete seinem Europageschäft ein strenges Sparprogramm, das Saab weitgehend die Selbstständigkeit kostete und dafür sorgte, dass der nächste Saab 9.5 ab diesem Sommer gemeinsam mit dem Opel Insignia auf den Bändern des Opel Stammwerkes in Rüsselsheim gebaut werden sollte. Ein Opel-Sprecher betonte gestern, unverändert werde der Start der Vorserienproduktion im April geplant.

Doch ein Käufer für Saab ist nicht in Sicht. Denn auch GM hat den Niedergang der Schweden nicht stoppen können. Ein kurzfristig in den USA angebotener Saab 9.2 auf Basis der Marke Subaru floppte. Die lange angekündigten Geländewagen der Marke lassen – bis auf Ausnahme eines sogenannten Saab 9.7 auf Chevrolet-Basis ebenfalls in den USA – weiter auf sich warten. Auch ein Kompaktmodell, das als Studie bereits in Genf gezeigt wurde, sollte erst in einigen Jahren den Weg auf die Straße finden.

Saab, dieser Name stand lange Zeite für vom Flugzeugbau inspirierte Autos. Eigenwillig im Design, ausgefeilt in der Technik. Nun steht die Lieblingsmarke von Architekten und Zahnarzt-Gattinnen am Abgrund. Eine bittere Bruchlandung für ein Unternehmen, das einst mit Militärflugzeugen abhob.

Doch so viel Zeit dürften die Schweden nicht mehr haben. Längst hat die Nachfrage nach Saab die kritische Größe nach unten durchbrochen: So schrumpfte der Absatz im vergangenen Jahr um 41,4 Prozent auf klägliche 66 582 Fahrzeuge, nach weltweit noch 125 000 Autos im Vorjahr. Selbst Smart kommt mit einer Baureihe locker auf mehr als das Doppelte. Experten sehen deshalb für Saab unabhängig von der US-Mutter keine Überlebenschance mehr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%