Hintergrund
Haniel – seit 250 Jahren ein äußerst diskretes Familiengeschäft

Für die Familie mit 250 Jahren unternehmerischer Tradition war es eine einschneidende Zäsur, als Eckhard Cordes Anfang 2006 an die Vorstandsspitze von Haniel rückte. Mit einem Mal beleuchtete ein ungewohntes Blitzlichgewitter die Firmengruppe, deren Inhaber am liebsten im Hintergrund bleiben. Rund 560 Mitglieder umfasst die Sippe derzeit. Einmal im Jahr treffen sie sich am Duisburger Stammsitz – für Cordes ist das weitläufige Gelände samt eigenem Park schlicht „die schönste Firmenzentrale in Deutschland“.

DÜSSELDORF. Das Familientreffen soll den Zusammenhalt stärken und „die jüngeren Familienmitglieder an das Unternehmen heranführen“, wie Familienoberhaupt und Aufsichtsratschef Franz Haniel sagt. Ein großer Heiratsmarkt sei das, bemerken jüngere Teilnehmer. Das weitverzweigte Unternehmen ist für den Clan ansonsten tabu: Das Haniel-Statut schreibt vor, dass kein Familienmitglied im Unternehmen tätig sein darf.

Ein Großteil des im Jahr 2006 erwirtschafteten Jahresüberschusses von 869 Mill. Euro fließt zurück ins Geschäft. Was übrig bleibt, wird auf die in aller Welt verstreut lebenden Haniels aufgeteilt. So gut wie alle gehen einem eigenen Beruf nach, keiner legt die Füße hoch. Franz Haniel sorgt im Auftrag seiner Verwandten dafür, dass die Dividende auf Dauer mehr Rendite bringt als eine alternative Anlage am Kapitalmarkt.

„Die Gesellschafter von Haniel vereinbaren klare Ziele und sind bei der Umsetzung konsequent. Da wird keine Zeit verloren“, sagt Peter May, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Intes Akademie für Familienunternehmen. Der Unternehmensberater hat sich eingehend mit der Ruhrgebietsdynastie beschäftigt. Haniel sei zudem ein „Meister in der Strategie des Portfoliowechsels“. Von Geschäftsbereichen, in denen nichts mehr zu holen sei, trenne man sich schnell. Die Messlatte liegt hoch. Dort, wo man sich engagiert, will man entweder zu den Marktführern gehören, oder aber es müssen Märkte mit überdurchschnittlich langen Lebenszyklen sein.

„Wir werden unseren Erfolgskurs fortsetzen und die Geschäftsfelder ausbauen – sowohl durch organisches Wachstum als auch durch Akquisitionen“, versprach Cordes bei Bekanntgabe der Bilanz Mitte Mai. Den Auftakt hatte schon im April die Übernahme der holländischen Internetapotheke Doc Morris gemacht. Die Haniel-Tochter Celesio, die mit Pharmagroßhandel und Dienstleistungen für Apotheken im Jahr 2006 einen Bruttogewinn von fast 600 Mill. Euro erwirtschaftete, stieg damit in den Einzelhandel ein. Spartenchef Fritz Oesterle setzt auf eine Liberalisierung des streng reglementierten deutschen Apothekenmarktes. Unter dem Label Doc Morris will er eine bundesweite Apothekenkette aufbauen. Celesio will sich so Zugang zu den Margen der Apotheker verschaffen, wie das bereits in den Ländern gelungen ist, in denen es kein Verbot von Apothekenketten gibt.

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