Hintergrund
Lkw-Maut-System: Aufwändig, aber lukrativ

Das milliardenschwere Maut-Projekt in Deutschland ist für die beteiligten Firmen lukrativ, zugleich aber technisch äußerst aufwändig.

Reuters BERLIN. Die mautpflichtigen Lastwagen über zwölf Tonnen werden mit einem Bordcomputer ausgerüstet, der so genannten OBU (On Board Unit). Dieses Gerät wird den Fuhrunternehmen gegen ein Pfand zur Verfügung gestellt. In der OBU werden die Daten des Lastwagens - etwa Achszahl und Schadstoffausstoß - gespeichert. Der Computer hält Kontakt zu einem Satelliten, über den die zurückgelegte Strecke des Lkw ermittelt wird. Anschließend sendet das Gerät per Mobilfunk Daten an die zentrale Abrechnungsstelle, die die Summe dann bei den Speditionen abbucht. Durchschnittlich sollen dies zunächst 12,4 Cent pro Kilometer sein.

Insgesamt sollen rund 800.000 dieser Computer eingebaut werden. Zum Start wollte das Betreiberkonsortium aus DaimlerChrysler, Deutsche Telekom sowie der französische Autobahnbetreiber Cofiroute 150.000 Stück zur Verfügung stellen. Es war aber in den letzten Wochen deutlich geworden, dass der Bedarf erheblich höher ist. Die Bezahlung per Internet oder an Automaten etwa an Raststellen nannten Fuhrunternehmer unpraktikabel.

Das Firmen-Konsortium wird an den Maut-Einnahmen beteiligt und kann daher für die nächsten zehn Jahre mit rund sechs Milliarden Euro rechnen. Allerdings mussten für den Aufbau des Systems insgesamt rund 500 Millionen Euro aufgewendet werden. Lukrativ ist für die Firmen die Hoffnung auf Anschlussaufträge im Ausland. Über eine Lkw-Maut wird auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern nachgedacht. Das Konsortium hofft, mit ihrer Technik einen Standard setzen zu können.

Geworben wird zudem damit, dass Spediteure mit der Technik zugleich die Flotte organisieren kann. So könne der Spediteur per Telematik etwa dem Lkw-Fahrer eine neue Route durchgeben. Zugleich wisse er ständig, wo welcher Wagen unterwegs sei. Die Bundesregierung wollte ursprünglich gegen Maut-Preller hart vorgehen. Rund 900 Mitarbeiter des Bundesamtes für Güterverkehr sollen auf den Autobahnen patrouillieren. Nachlösen bei der Maut hätte danach teuer werden sollen: Das Gesetz sieht eine Gebühr von 20.000 Euro vor.

In der jetzt nach Angaben aus projektnahen Kreisen geplanten zweimonatigen Einführungsphase soll aber auf derartige Sanktionen verzichtet werden. Auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hatte bereits erklärt, zunächst würden eher Ermahnungen als Strafen ausgesprochen.

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