Hintergrund
Opels Niedergang, oder: Das verlorene Jahrzehnt

An die genaue Zahl der Sanierungs- und Restrukturierungsprogramme kann sich bei Opel kaum noch jemand so recht erinnern.

zel DÜSSELDORF. An die genaue Zahl der Sanierungs- und Restrukturierungsprogramme kann sich bei Opel kaum noch jemand so recht erinnern. 1993, 1998, 2001 – jedes Mal ist die deutsche Tochter von General Motors (GM) ein Stückchen kleiner geworden. Arbeiteten in den 80er-Jahren einmal an die 45 000 Menschen bei der Adam Opel AG, sind es im Moment noch an die 34 000. Doch das neue Sparprogramm hat eine ganz besondere Qualität: Dass auf einen Schlag 10 000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, das hat es in der Vergangenheit dann doch noch nicht gegeben.

Die Krise bei Opel hat Mitte der 90er-Jahre begonnen. Deutsche Manager hatten damals im Unternehmen nicht mehr viel zu sagen, Amerikaner diktierten allein das Geschehen. Allen voran Louis Hughes, Chef von General Motors International (GMIO), der Opel übergeordneten Dachgesellschaft. Reines Kostendenken prägte zu dieser Zeit die Automobilentwicklung. Emotionen, Design, Fahrspaß – zuvor über Jahrzehnte hinweg die Pluspunkte von Opel – zählten nicht mehr. Zudem mussten Opel-Manager bei der GM-Expansion in Südamerika und Asien aushelfen. Zu Hause fehlten die Ressourcen, Opel fiel auf seinem Heimatmarkt zurück.

Dramatisch waren die Auswirkungen in der Fahrzeugqualität: Weil das reine Kostendenken in den Vordergrund rückte, häufte sich bei Opel die Zahl der Rückrufe. Millionen Fahrzeuge wurden in die Werkstätten gerufen, weil sich beim Tanken Funken bilden konnten – eine immense Rufschädigung und eine gewaltige Ertragsbelastung. GM Europa musste im Jahr 1996 die Rekordsumme von 700 Mill. Dollar für Reklamationen aufbringen.

Ende der 90er-Jahren dämmerte den GM-Verantwortlichen, dass Opel in die falsche Richtung gelaufen war. Ein neuer Opel-Vorstandsvorsitzender sollte her, mit Robert Hendry wurde noch einmal ein Amerikaner an die Spitze berufen. Doch auch Hendry gelang nicht viel. Er sorgte zwar dafür, dass einige wichtige Fahrzeugnischen besetzt wurden. Aber der US-Manager hatte überhaupt kein Fingerspitzengefühl für die Besonderheiten des europäischen Marktes und schätzte die Absatzchancen vollkommen falsch ein.

Eine gewisse Besserung gibt es seit drei Jahren. Mit dem früheren BMW-Manager Carl-Peter Forster wurde nach langer Pause erstmals wieder ein Deutscher an die Spitze von Opel berufen. Forster sorgte für eine höhere Fahrzeugqualität, die Marke gewinnt langsam alte Sympathien zurück. Doch die Wende unter Forster kommt zu spät. Weil der Automarkt unverändert schrumpft, helfen auch die Neuerungen aus den vergangenen drei Jahren nicht mehr. Opel ist über ein Jahrzehnt hinweg geschwächt worden, schon seit fünf Jahren schreibt GM in Europa nur Verluste.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%