Hintergrund zur VW-Affäre
Gewerkschaften geraten unter Druck

Die Korruptionsaffäre beim Volkswagen-Konzern - immerhin Europas größter Autobauer - bringt auch die Gewerkschaften und das deutsche Mitbestimmungsmodell unter Druck.

HB FRANKFURT. In keinem anderen deutschen Großkonzern waren die Macht von Betriebsrat und Gewerkschaft - in diesem Fall die IG Metall - größer. Nirgendwo sonst saß ein Gesamtbetriebsratschef wie der vorige Woche überraschend zurückgetretene Klaus Volkert so selbstverständlich neben dem Vorstandsvorsitzenden wie bei VW, was neue Kapitalvertreter im VW-Aufsichtsrat stets ein wenig irritierte.

„Die Vorgänge und Gerüchte, die jetzt in die Öffentlichkeit gelangen, können auch das deutsche Mitbestimmungsmodell und die Rolle der Gewerkschaften insgesamt beeinträchtigen“, sagt Professor Josef Esser, Gewerkschaftsforscher an der Universität Frankfurt. Dabei seien die Verdächtigungen um Schmiergelder, Tarnfirmen von Mitarbeitern, überhöhte Spesenrechnungen und angebliche Lustreisen von Betriebsräten zunächst ein reines VW-Thema und kein generelles Mitbestimmungsproblem.

Angesichts eines möglichen Machtwechsels auf Bundesebene zu Union und FDP bei Neuwahlen im Herbst sei der Zeitpunkt der Affäre „sehr interessant“. FDP-Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle spricht angesichts der Ermittlungen bereits von Systemmängeln. „Solche Vorgänge können am Ende der Sargnagel des deutschen Mitbestimmungsmodells werden“, sagt er.

Esser sieht den VW-Konzern mit einem seit Jahrzehnten engen Geflecht von Vorständen, Gewerkschaftern, Betriebsräten und Politikern als Sonderfall. Zu den besonderen Bedingungen zählt er den VW-Haustarifvertrag, die Landesbeteiligung und den durch das VW-Gesetz starken Einfluss des Landes Niedersachsen auf Hauptversammlungen. Alle großen Parteien in Niedersachsen hätten das VW-Modell mitgetragen. „In einem solchen Netzwerk ist die Gefahr von Abhängigkeit und Korruption naturgemäß groß.“

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