Hintergrund zur Zusammenlegung
Royal Dutch Shell verändert Stoxx-Indizes stark

Die auf der Hauptversammlung an diesem Dienstag beschlossene Zusammenlegung der beiden Teilkonzerne Royal Dutch und Shell in eine rechtliche Einheit wird spürbare Auswirkungen auf die Zusammensetzung der wichtigen Indizes Eurostoxx 50 und Stoxx 50 haben.

dpa-afx FRANKFURT. Royal Dutch wird aus dem Eurostoxx 50 entfernt, da die zusammengeschlossene Ölgesellschaft künftig nur noch in Großbritannien registriert sein wird. Die neuen, weniger liquiden B-Aktien werden aus dem Stoxx 50 herausgenommen, die A-Aktien werden im Index als Royal-Dutch-Shell-Aktie gelistet. Die endgültigen Änderungen ermittelt die Firma Stoxx Ltd. auf Schlusskursbasis vom 30. Juni. Die Index-Anpassung erfolgt am 20. Juli. Bis dahin werden alte Royal-Dutch-Aktien in Royal-Dutch-Shell-A-Aktien getauscht und alte Shell-Aktien in Royal-Dutch-Shell-B Aktien. Das Gewicht der Ölaktien in den Indizes sinkt damit zugleich.

Laut Aktienstratege Klaus Stabel von der ICF Kursmakler AG bringt der Zusammenschluss "erhebliche" Veränderungen, da "Royal Dutch immerhin mit einem rund 6,8-prozentigem Anteil am gesamten Indexgewicht der zweitgrößte Wert nach der Ölgesellschaft Total ist".

Darüber hinaus werde sich auch der Stoxx 50 durch den Zusammenschluss deutlich verändern: Im Stoxx 50 rangiere Royal Dutch auf Rang sechs der Schwergewichte und Shell auf Platz 10. "Da jedoch die neue Gruppe beabsichtigt im Zuge des Zusammenschlusses Class A und B-Aktien zu begeben, kann nach den Bestimmungen der Firma Stoxx nur eine Gattung in den Indizes berücksichtigt werden", so Stabel. Das bedeute, dass auch hier ein Platz für ein nachrückendes Unternehmen frei wird.

Mit Blick auf die Nachrücker spricht Aktienstratege Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) von einem "spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen" im Eurostoxx 50 zwischen den beiden französischen Unternehmen Renault und Schneider Electric. "Die Chancen stehen 50:50", sagte er. Aktuell habe Renault einen minimalen Vorsprung, doch das könne sich im Handelsverlauf bis Donnerstagabend noch verändern.

Im Stoxx 50 dürfte nach Einschätzung von Klumpp für die weniger liquiden Class B-Aktien von Royal Dutch Shell die France Telecom den Aufstieg schaffen. "Sanofi-Aventis schafft es wohl nicht mehr auf die Auswahlliste für die Indexneubesetzung, da sich der Kurs des Schweizer Konkurrenten Roche inzwischen sehr gut entwickelt hat und Sanofi auf der Auswahlliste für die Stoxx-Indizes wieder vom dritten Platz der Pharmabranche verdrängt hat", sagte Stratege Berndt Fernow von der LBBW.

Hintergrund ist, dass die Firma Stoxx bei ihrem Auswahlverfahren nach Branchen versucht, jeweils 60 Prozent der jeweiligen Marktkapitalisierung aller 18 Branchen in ihren Indizes abzubilden. Demnach werden die größten Unternehmen der Reihe nach auf einer Auswahlliste nach Marktkapitalisierung abgebildet. Derzeit stellen die bereits im Stoxx 50 enthaltenen Unternehmen Glaxosmithkline , Novartis und Roche rund 56 Prozent der Marktkapitalisierung dar. Mit Sanofi wären es aber 69 Prozent, sagte Fernow.

In den kommenden Tagen steht übrigens bereits schon eine Änderung im Eurostoxx 50 an: Am Donnerstag, 30. Juni, wird für die von der Telecom Italia übernommene Telecom Italia Mobile (TIM) die Allied Irish Banks (AIB) aufgenommen.

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