Hochgeschwindigkeitsstrecke durch den Lötschberg steht vor der Fertigstellung
Neuer Tunnel durch die Schweizer Alpen

500 Kilogramm Sprengstoff räumten am Donnerstag den Weg frei, um den Lötschbergtunnel durchzustechen. Die 34,6 Kilometer lange Unterquerung des Bergsmassivs in der Westschweiz ist das zweitgrößte Bauwerk der Neuen Eisenbahn Alpentransversalen (Neat). Der neue Bahntunnel am Lötschberg soll 2007 in Betrieb gehen.

oli KANDERSTEG. Die Explosion, die am Donnerstag um genau 10.52 Uhr den kleinen Ort Kandersteg im abgelegenen Schweizer Kanton Wallis erschütterte, hätte eigentlich lauter sein müssen, wenn sie dem Ereignis angemessen gewesen wäre: 500 Kilogramm Sprengstoff räumten den Weg frei, um den Lötschbergtunnel durchzustechen. Die 34,6 Kilometer lange Unterquerung des Bergsmassivs in der Westschweiz ist das zweitgrößte Bauwerk der Neuen Eisenbahn Alpentransversalen (Neat). Gemeinsam mit dem voraussichtlich erst in zehn Jahren fertiggestellten Basistunnel am Gotthard ermöglichen die neuen Verbindungen den Anschluss der Schweiz an die internationalen Hochgeschwindigkeitsnetze der Bahn

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Der neue Bahntunnel am Lötschberg soll 2007 in Betrieb gehen. Nach jüngsten Schätzungen kostet das Bauwerk 2,8 Mrd. Euro und damit etwa 700 Mill. mehr als geplant. Die Gesamtkosten der Neat liegen nach derzeitigem Stand bei knapp elf Mrd. Euro. Weil die Schweiz kein Mitglied der EU ist, bezahlt sie den Bau allein, braucht sich allerdings im Gegensatz etwa zu Österreich auch um keine EU-Vorgaben bei der Finanzierung zu kümmern. Die Eidgenossen haben deswegen die Maut für Lastwagen in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt erhöht. Die Einnahmen aus derSchwerverkehrsabgabe decken den größten Teil der Tunnelbaukosten.

Die Planungsarbeiten für den Lötschbergtunnel hatten Ende der achtziger Jahre begonnen. Erster Spatenstich war vor elf Jahren. Seither haben die 2 500 Tunnelbauer von fünf Baustellen aus mit Sprengstoff und einer riesigen Tunnelbohrmaschine rund 90 Kilometer Fels ausgebrochen. Die Tunnelbauer arbeiten unter schwierigen Bedingungen. Im Berg ist es heiss, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Um überhaupt arbeiten zu können, wird die Luft auf 28 Grad heruntergekühlt. Seit Baubeginn verloren fünf Menschen am Lötschberg ihr Leben.

Zwar ist der Grossteil des Tunnels mit einer zweiten Röhre versehen, doch wird diese aus Kostengründen lediglich zu einem Drittel für die Bahn auf zwei Spuren ausgebaut – was die Nutzung zum Missvergnügen der Schweizer Bundesbahn SBB einschränkt. Dennoch sollen mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2007 jede Stunde Intercity-Schnellzüge in beide Richtungen durchfahren. Dazu kommen alle zwei Stunden sechs Eurocity-Zugpaare von Basel nach Mailand und in die Gegenrichtung. Zusätzlich rechnet die SBB auf der Linie mit 110 Güterzügen pro Tag, von denen viele aus Deutschland stammen werden. Ein Drittel von ihnen wird aber wegen Kapazitätsengpässen im Tunnel weiter die Passtrecke benutzen müssen. Reisezüge sollen den Tunnel mit maximal 250 Stundenkilometerndurchqueren können.

Die Wirtschaft im Rhone-Kanton Walis verspricht sich von der beinahe doppelt so schnellen Verbindung einen kräftigen Wachstumsschub. Die Handelskammer erhofft sich für ihren bisher stark abgeschotteten Heimmarkt mehr Dynamik. Der Basistunnel bringe die lange ersehnte wirtschaftliche Öffnung, heißt es. Unter der Führung der Wirtschaft hat sich eine Interessengemeinschaft die Aufgabe gestellt, die Behörden, das Gewerbe, den Handel und sogar die Kultur auf die Zeit nach der Eröffnung des Basistunnels einzustimmen.

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