Hochsee-Parks
Ausbau der Windkraft gerät in Verzug

Der Netzbetreiber Tennet hat Probleme, die Windparks ans Netz anzuschließen. Die Bundesregierung will Verbraucher belasten. Der Ausbau der Offshore-Parks in Deutschland leidet unter den unklaren Rahmenbedingungen.
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Berlin/ EssenWenn der Präsident der Bundesnetzagentur sich besorgt über die Finanzlage eines Unternehmens äußert, muss die Lage sehr ernst sein. Die anhaltenden Probleme des Netzbetreibers Tennet, Offshore-Windparks ans Netz anzuschließen, riefen vor kurzem Jochen Homann auf den Plan. Er äußerte sich kritisch über die Finanzkraft der Gesellschaft: "Diese hat nicht die erforderlichen Nachweise über die notwendigen finanziellen Mittel zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Netzbetriebs- und -ausbaupflichten erbracht."

Die Behörde verweigerte dem Netzbetreiber, der neben Amprion, 50 Hertz und Transnet BW für das deutsche Höchstspannungsnetz zuständig ist, eine Zertifizierung. Diese braucht Tennet aber, um EU-Vorschriften zu genügen. Denn das Papier bestätigt, dass die Netzbetreiber von Energiekonzernen unabhängig sind. Dafür müssen sie nachweisen, dass sie technisch, personell und wirtschaftlich in der Lage sind, ihr Netz allein zu betreiben.

Daran hatte die Aufsichtsbehörde aber nach jüngsten Veröffentlichungen über den Netzbetreiber Zweifel. Tennet betreibt das Netz im Nordwesten Deutschlands. Dort ist das Unternehmen stark in den rasanten Aufbau der Offshore-Windparks weit draußen auf dem Meer involviert.

Und Tennet räumt Probleme ein: So hatte sich der Netzbetreiber bereits in einem Brandbrief an die Bundesregierung gewendet. Darin warnte er vor Schwierigkeiten beim Anschluss der Windparks an das Stromnetz. Tennet klagte über unklare Rahmenbedingungen. Diese erschwerten die Finanzierung.

Die Probleme von Tennet beim Netzanschluss bekommt der Essener Energiekonzern RWE bei seinen zwei Windkraftprojekten "Nordsee Ost" und "Innogy Nordsee 1" zu spüren. Der Windpark Nordsee Ost "verzögert sich nach jetzigem Kenntnisstand etwa um eineinhalb bis zwei Jahre", sagte Hans Bünting, der neue Chef von RWE Innogy, dem Handelsblatt. Er schätzt die dadurch anfallenden Kosten auf einen "dreistelligen Millionenbetrag". Bünting hält sich offen, "unseren Schaden notfalls einzuklagen". Wobei er hinzufügt: "Aber daran kann niemand ein Interesse haben."

RWE macht Tennet für die Verzögerungen verantwortlich, den Windpark ans Übertragungsnetz auf dem Festland anzuschließen. Der Netzbetreiber wiederum gibt Siemens die Schuld, der Komponenten nicht rechtzeitig liefere.

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Probleme belasten Bilanz von Siemens

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  • Andere sind schon weiter mit dem Ausstieg aus der Windkraftförderung. Die Briten stellen wegen Unwirtschaftlichkeit den Ausbau ein.
    Wir sind aber schlauer, haben zwar weniger Wind aber bessere Technik sowie folgsamere Bürger. Die Norweger wollen die Windräder auch nicht, und haben den Inverstoren nur menschenleere Gegenden angeboten.
    Ich hoffe bei uns kommt die Fehlentwicklung auch bald zum erliegen, wir haben schon genug Geld verschwendet zum Schaden der Steuerzahler.

  • Windmühlen sind auf See noch teurer als an Land (Der Strom ist gleichfalls ziemlich wertlos). Neben den Fundamenten im Meer ist es wetterbedingt lediglich möglich einige zig-Tage im Jahr an diesen Oekomonstern zu arbeiten. Die Subventionssätze sind dafür mit 15.5c/kWh höher denn an Land, 9,4c/kWh.

    Allein der Anschluss über Unterseekabel an Land was nicht über die EEG Sätze verrechnet wird, kostet mehr als Strom aus abgeschriebenen Kernkraftwerken, oder Braunkohle.

    Die aktuellen "Probleme" (für den Verbraucher Hoffnungen diesen ökoreligiösen Unsinn nicht zu bald bezahlen zu müssen) sind zweierlei:

    Aufgrund der hohen Kosten sind die gewährten Subventionssätze für die Meereswindmühlen am Rande, oder unterhalb der Rentabilitätsschwelle

    Die Netzbetreiber werden sehr unterschiedlich belastet. Während ENBW diese Kosten erspart bleiben wird Tennet extrem belastet.

    Ich vermute man wird in Kürze eine Lösung finden. Bazahlen wird diese in jedem Fall der Verbraucher.

    Vandale

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