Hochtief
Die Schlammschlacht der PR-Strategen

Der Übernahmekampf um den größten deutschen Baukonzern Hochtief tobt - derzeit überbieten sich Angreifer und Verteidiger mit gezielten zweifelhaften Informationen und Interpretationen. Mithilfe von PR-Agenturen versuchen Hochtief und ACS sich gegenseitig zu diskreditieren.
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MADRID/DÜSSELDORF. Der Übernahmekampf zwischen ACS und Hochtief tobt - und derzeit buhlen die beiden Baukonzerne um die Gunst der öffentlichen Meinung. Mit allen Mitteln.

Wie es angeblich in Bankenkreisen hieß, stecke ACS in argen Finanznöten. Schließlich habe der spanische Angreifer eine geplante Wandelanleihe über bis zu 1,5 Milliarden Euro "kurzfristig absagen müssen". Die Bond-Emission hätte helfen sollen, die hohe Finanzverschuldung des Konzerns langfristiger auszurichten.

Tatsächlich stehen die Vorwürfe auf einem sogenannten "Non-Paper" - also einem Schreiben ohne jeglichen Hinweis auf seine Herkunft, das derzeit in Frankfurt kursiert.

Insider berichten, dass es von Pleon-Financial geschrieben wurde - der von Hochtief beauftragten PR-Agentur. In der Pressestelle des Konzerns heißt es nur: "Das hätten Sie von uns auch haben können."

Doch was ist dran an den Vorwürfen?

Der spanische Konzern hatte auf Drängen seiner Gläubigerbanken bereits im Mai eine Pflichtwandelanleihe mit einem Volumen zwischen 750 Millionen Euro und 1,5 Milliarden Euro für das vierte Quartal angekündigt. Allerdings stellte sich schon vor Wochen heraus, dass institutionelle Anleger an der Anleihe nicht wirklich interessiert waren. Das Internetportal "El Confidencial" berichtete deshalb bereits im September, dass die Emission aufgeschoben sei. Fazit: Für ACS ist das nicht schön - aber so akut sind die Nöte eben auch nicht. Und das Quartal geht ja noch bis Ende Dezember.

Bereits am Dienstagabend hatte Hochtief eine erste Salve auf ACS abgeschossen. Der Vorstand erklärte, einen Antrag bei der australischen Börsenaufsicht Asic zu stellen. ACS soll so gezwungen werden, auch den Minderheitsaktionären der australischen Hochtief-Tochter Leighton, die zu 54,5 Prozent Hochtief gehört, ein Übernahmeangebot zu unterbreiten.

Die Einflüsterer sind eifrig unterwegs

Wäre Leighton eine deutsche Firma, wäre das wohl so, berichten Rechtsexperten. Nach Auffassung von ACS, die sich von den PR-Strategen der Agentur Hering Schuppener beraten lässt, besteht eine solche Pflicht nach australischem Recht jedoch nicht. Kein Wunder: Ein Übernahmeangebot für Leighton könnte die Übernahme von Hochtief um das Doppelte verteuern.

Auch die ACS-Einflüsterer sind eifrig unterwegs. Die PR-Experten vermitteln bereitwillig Wissenschaftler, denn die Professoren widerlegen die (von Hochtief gestreute) Behauptung, Spanien sei durch Mittel der Europäischen Union reich geworden - schotte jedoch den eigenen Markt ab.

In Madrid flüstert die ACS-Seite den Journalisten zudem ein, dass es doch sehr verwunderlich sei, dass ein internationales Land wie Deutschland, das zudem Exportvizeweltmeister sei, sich derart provinziell und protektionistisch verhalte - nur weil der größte Eigner, der nun seinen Anteil aufstocken wolle, kein Deutscher sei.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur

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