Hochtief
Schuften für 2,50 Euro – mitten in München

Ein Subunternehmen von Hochtief soll Arbeitern auf einer Baustelle in München Hungerlöhne gezahlt haben. Die Arbeiter hätten kein Deutsch gesprochen und seien mit dem üblichen Lohnniveau nicht vertraut gewesen, so die Staatsanwaltschaft – die Anklage gegen mehere Hochtief-Mitarbeiter erhoben hat. Dem Konzern droht nun eine empflindliche Strafe.

HB ESSEN. Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief droht Ärger durch eine Anklage der Münchner Staatsanwaltschaft gegen mehrere Mitarbeiter. Die Ermittler werfen den Hochtief-Beschäftigten unter anderem Beihilfe zum Lohnwucher beim Bau eines Altenheims in München vor. Zahlreichen Arbeitern auf der Großbaustelle seien Löhne von nur 2,50 bis 3,50 Euro pro Stunde bezahlt worden, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Im Falle einer Verurteilung drohe Hochtief der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen.

Hochtief wies Vorwürfe, Dumpinglöhne billigend in Kauf genommen zu haben, zurück. Man sei getäuscht worden. Ein Subunternehmen habe den Leuten zu wenig bezahlt. „Davon wussten wir nichts“, sagte der Sprecher von Hochtief Construction, Bernd Pütter. Hochtief tue alles, um Lohndumping zu vermeiden, und sei Mitglied in entsprechenden Organisationen wie Transparency International. Die Position des Konzerns sei der Staatsanwaltschaft mitgeteilt und durch Gutachten untermauert worden.

Nach Ansicht der Staatsanwälte haben die Angeklagten die Unwissenheit der Mitarbeiter ausgenutzt. „Wir gehen davon aus, dass sie beim Baupreis die Dumpinglöhne einkalkuliert haben“, sagte Winkler und bestätigte damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Allerdings habe es sich entgegen dem Bericht nicht um Manager des Baukonzerns gehandelt, sondern um kaufmännische Beschäftigte. Die Arbeiter sprachen den Ermittlungen zufolge kein Deutsch und kannten die üblichen Löhne nicht.

Neben sechs Hochtief-Mitarbeitern im Alter zwischen 38 und 50 Jahren ist auch der Chef eines Subunternehmers angeklagt. Er saß bereits mehrere Monate in Untersuchungshaft. Die Ermittler waren den Männern nach einer Razzia im Frühjahr 2007 auf die Schliche gekommen. Damals waren die Arbeiter zu ihren Arbeitsbedingungen befragt worden. Dabei gaben sie laut Winkler an, teils für 2,50 Euro Stundenlohn bis zu 230 Stunden im Monat zu arbeiten.

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