Hochwasser-Schäden
Wenn die Fabrik unter Wasser steht

Die Flutwelle bewegt sich nach Norden – in ihrem Rücken ziehen Konzerne und Kleinbetriebe Schadensbilanz. Vor einem Werk steht meterhoch der Schlamm, in einem anderen die Verwaltung unter Wasser.
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DüsseldorfAls hätte die Fabrik des Autozulieferers ZF Friedrichshafen am Passauer Donauufer nicht genug Wasser gesehen in den vergangenen Tagen: Die Werksleitung hat jetzt mehrere Tanklastzüge mit frischem Wasser an den Grubweg geordert. „Vor den Hallen türmt sich der Schlamm 1,30 Meter hoch“, berichtet ein Sprecher. Der Vorplatz müsse nach dem Hochwasser gereinigt werden, um große Zelte aufzubauen.

Zuvor hatten mehr als 100 Helfer die Hallen des ZF-Kundenservices, die direkt an der Donau liegen, vom Dreck befreit. Unter den Zelten sollen die gelagerten Ersatzteile für Bau- und Landmaschinen gereinigt und getrocknet werden. Das Wasser aus den Tanklastzügen soll die Trinkwasser-Versorgung der Stadt schonen. Erst 90 Prozent der Haushalte hatten in Passau am Donnerstagvormittag wieder fließendes Wasser.

Ob in Bayern, Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt: Dort wo der Höhepunkt des Hochwassers überschritten ist, ziehen Unternehmen Bilanz und räumen auf. Gerade in Innenstadtlagen in der Nähe von sonst friedlichen Flüssen und Bächen hat es Handwerksbetriebe schwer getroffen. „Bäckereien, Fleischereien, Maurerbetriebe, Friseurbetriebe – es trifft viele“, berichtet ein Sprecher der Handwerkskammer von Ostthüringen. Bei der Industrie- und Handelskammer Niederbayern hat man den Schock noch nicht verdaut: „Die Innenstadt ist quasi dem Erdboden gleich gemacht“, sagt eine Sprecherin angesichts des sich in den Straßen türmenden Drecks und Gerümpels, der aus Betrieben und Wohnungen geräumt wird.

Offizielle Schätzungen über den gesamten Schaden gibt es noch nicht, aber bei den Versicherungen laufen die Meldungen in rasantem Tempo ein. Bei der R+V Versicherung sind es bereits etwa 2.000 Berichte und es sei kein Ende in Sicht, so eine Sprecherin. Es werde ein „Spitzenschaden“. Auch Konkurrenten sind im Dauereinsatz. „Wir planen derzeit den Aufbau eines Krisenzentrums in Gera“, sagt auch Generali-Manager Michael Thie im Gespräch mit Handelsblatt Online. Glück im Unglück haben ostdeutsche Privatleute und Firmen mit Altverträgen aus DDR-Zeiten, die von der Allianz übernommen wurden. Denn diese enthalten einen Elementarschaden-Schutz, der Hochwasser-Schäden abdeckt.

Ob die Konjunktur unter den Schäden leidet, ist nicht ausgemacht. Sachsen rechnet zwar mit Schäden in Höhe von etwa 2,5 Milliarden Euro und die bundesweite Schadenssumme könnte nach einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft über die Marke von 6 Milliarden Euro klettern. Doch auch wenn die Auswirkungen für die Betroffenen verheerend seien, so Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW, dürften vom Wiederaufbau eher positive Konjunkturimpulse ausgehen, etwa in der Bauindustrie.

In den Baumärkten herrscht jetzt schon Kauflust. Vor allem Schaufeln und Pumpen gefragt, berichtet eine Obi-Sprecherin. Die Regale seien vorsorglich gefüllt worden, nur „Gummistiefel waren kurz mal aus“. Die großen Ketten geben Flutopfern bis zu 30 Prozent Rabatt. Und der Sanierungsdienstleister Sprint ist im Dauereinsatz – unter anderem im Auftrag von Versicherungen, sagt Geschäftsführerin Janette Bohne im Interview mit Handelsblatt Online.

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  • Hochwasser? Vor 10 Jahren gelobten Politiker und Experten Abhilfe! Heute stellt man wieder fest: Sie haben vorsätzlich sabotiert und versagt zu Lasten der deutschen Bürger! Warum stehen diese leute nicht vor Gericht und müssen persönlich für die Schäden, von Ihnen bewusst gewollt, gerade stehen? Frage an "Grüne": Weg mit PKWs ist Ihre Forderung und die Flutopfer sollen Ihr Hab und Gut mit Fahrräder retten? Welch Verachtung!!

  • Was außer dem Wasserstand und der Beamtenflut auch ganz sicher steigen wird, sind die Versicherungsprämien, nicht nur für Wasserschäden, sondern für alle Bereiche. Da wird- staatlich unter Naturschutz gestellt- weiter munter zugelangt werden.

    Der ganze Hochwasserschutz nützt letztlich nichts, wenn manche Städte und Gemeinden nicht aufhören, auch in eigentlich gefährdeten Gebieten hemmungslos aus purer Geldgier immer neue Bebauungsgebiete auszuweisen!
    DA muß zunächst angesetzt werden!

  • "Unter anderem sei die Computertechnik und das Telefonsystem in Mitleidenschaft gezogen worden"

    Hier schwebt meiner Meinung nach ein großes Risiko für die Unternehmen. Gerade kleine und mittelgroße Unternehmen, die nicht über outgesourcte Backuplösungen verfügen, haben Rechnungen, Dokumente, die gesamte Warenwirtschaft auf den Servern gespeichert. Man kann nur hoffen, dass die noch Sicherungen haben. Zwar gibt es Unternehmen wie Attingo (www.attingo.de) oder Ontrack (www.ontrack.de), die sich auf die Wiederherstellung bei Wasserschäden spezialisiert haben, aber das wird dann richtig teuer - und da kommt auch keine Versicherung für auf (es sei denn, man hat speziell eine Versicherung gegen Datenverlust abgeschlossen).
    Es gibt nicht wenige, die schon schließen mussten, weil das gesamte Unternehmensleben auf den Servern gespeichert war.

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