Der Deal sah perfekt aus: Der französische Spirituosen-Riese Pernod Ricard
übernimmt für 5,6 Mrd. Euro den schwedischen Konkurrenten Vin & Sprit (V&S), der hauptsächlich durch seine Wodka-Marke Absolut bekannt ist. Doch nun gibt es einen Wermutstropfen, der die ursprünglich für Juli dieses Jahres geplante Durchführung des Verkaufs verzögern kann.
STOCKHOLM. Der amerikanische Mitbewerber Fortune Brands
hat juristische Schritte gegen V&S eingeleitet, die die ursprünglich für Juli dieses Jahres geplante Durchführung des Verkaufs verzögern können. Der Grund: Fortune Brands
, das sich selbst erfolglos um die Übernahme der staatlichen V&S bemüht hatte, sieht einen Aktionärsvertrag zwischen sich und dem schwedischen Konzern verletzt. V&S hält nämlich seit vielen Jahren zehn Prozent an dem amerikanischen Spirituosen-Hersteller Beam Global Spirits & Wine, der unter anderem den Whiskey Jim Beam produziert. Die restlichen 90 Prozent besitzt Fortune Brands
.
In dem Aktionärsabkommen ist nach Meinung der Fortune Brands-Juristen
festgeschrieben, dass Fortune Brands
ein Vorkaufsrecht für die Beam-Global-Aktien von V&S hat. Dieses Vorkaufsrecht sieht nun Fortune Brands
verletzt, weil die schwedische Regierung die Global Beam-Aktien vor dem V&S-Verkauf an Pernod Ricard
zunächst an den Staat überführen will und erst nach Verhandlungen über den Preis des Pakets den Posten an Fortune Brands
weiterverkaufen will. Eine Fortune-Brands-Sprecherin bezeichnet dieses Vorgehen als "Vertragsbruch", da eindeutig festgelegt sei, dass der Global-Beam-Aktienposten nur direkt an Fortune Brands
überführt werden kann. Zwei Gerichte in New York und Stockholm sollen das nun prüfen.
Beim schwedischen Finanzmarktministerium gibt man sich gelassen. "Es besteht kein Zweifel daran, dass wir die Aktien an Fortune Brands
verkaufen werden", sagte der für die Privatisierungen zuständige Minister Mats Odell gestern in Stockholm. Gleichwohl betonte er, dass vor einem Verkauf des Postens noch Einigkeit über den Preis erzielt werden müsse.
Analysten in Stockholm beziffern den Wert des zehnprozentigen Global Beam-Pakets auf umgerechnet 322 bis 537 Mill. Euro. Doch auch darüber scheiden sich offenbar die Geister: Fortune Brands
will den Preis über ein Schiedsgericht klären lassen. Zwar zählte der V&S-Anteil an Global Beam von vornherein nicht zum Pernod-Ricard-Deal, doch könnte der Konflikt mit Fortune Brands
nun zu einer Verzögerung des V&S-Verkaufs an den französischen Konzern führen.
Mit der Übernahme von V&S wird Pernod Ricard
zum weltgrößten Wodka-Hersteller und zum zweitgrößten Spirituosen-Verkäufer auf dem wichtigen US-Markt.

