Höhe des Schadenersatzes steht noch nicht fest
MAN gewinnt Prozess gegen Lkw-Tochter von Daimler-Chrysler

Ein britische Gericht hat die Daimler-Chrysler-Tochter Freightliner zu Schadenersatz an den Münchener Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN verurteilt. Es geht um Bilanzfälschung.

HB MÜNCHEN. Der Londoner High Court habe es als erwiesen angesehen, dass MAN beim Kauf des britischen Lkw-Bauers ERF im Jahr 2000 über die Lage des Unternehmens getäuscht worden sei, teilte der MAN-Konzern am Freitag mit. Der ehemalige ERF-Eigner Western Star müsse für die Bilanzfälschungen eines Controllers gerade stehen. Western Star wurde später von Freightliner übernommen, der wiederum zu Daimler-Chrysler gehört. „Wir wurden betrogen mit dem Ziel, dieses Unternehmen zu kaufen, und Freightliner hat nun die Pflicht, uns für diesen Betrug zu entschädigen“, sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson am Freitag.

Freightliner kündigte an, in Berufung zu gehen. „Freightliner kann in Zusammenhang mit dem Verkauf von ERF im Jahr 2000 an MAN nicht zur Rechenschaft gezogen werden“, lehnte ein Sprecher der Daimler-Chrysler-Nutzfahrzeugsparte auch nach dem Urteil noch jede Verantwortung für die Fälschungen ab.

Mit der Festlegung der Schadensersatzsumme wird noch in diesem Jahr gerechnet. MAN fordert 300 Millionen Pfund (gut 200 Millionen Euro) zuzüglich Zinsen und Verfahrenskosten. Die Höhe des Schadenersatzes muss aber in einem eigenen Nachverfahren ermittelt werden.

MAN hatte im Januar 2000 die britische ERF für 110 Millionen Pfund von der kanadischen Western Star übernommen. Mitte 2001 hatte MAN bei der ERF massive Bilanzfälschungen aufgedeckt, durch die die Lage des Lkw-Bauers nach Ansicht des Münchener Konzerns geschönt wurde. Nachdem alle Anläufe zu einer gütlichen Einigung mit Daimler-Chrysler gescheitert waren, zog MAN im Oktober 2002 in Großbritannien vor Gericht.

ERF hatte MAN bis 2003 mit roten Zahlen belastet. Nach einer massiven Restrukturierung wurde die Produktion weitgehend eingestellt, nur die Marke und der Vertrieb blieben bestehen. Es gibt lediglich noch ein Werk, in dem MAN-Lkw an die britischen Bedürfnisse angepasst werden.

Die MAN-Aktie legte zum Wochenschluss 0,6 Prozent auf 37,86 Euro zu. Die Daimler-Chrysler-Papiere gaben um 0,25 Prozent auf 40,55 Euro nach.

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