Höhere Nachfrage
Lincare-Übernahme gibt Linde Schwung

Das Geschäft läuft für den Industriegase-Hersteller besser als erwartet. Zu verdanken ist das der Lincare-Übernahme, obwohl diese die Schuldenlast treibt. Linde-Chef Reitzle dementiert Spekulationen über einen Abgang.
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MünchenDer Industriegase-Konzern Linde stemmt sich dank der Übernahme des US-Gesundheitsdienstleisters Lincare gegen die sich eintrübende Konjunktur in Europa. Auch die kräftige Nachfrage aus Osteuropa und Asien half dem Münchener Unternehmen. Zugleich profitierte der weltweit zweitgrößte Hersteller von Industriegasen nach der französischen Air Liquide von einem schwachen Euro. Der operative Gewinn nahm binnen Jahresfrist um 12,9 Prozent auf 908 Millionen Euro zu, wie Linde am Montag mitteilte. Analysten hatten für die Monate Juli bis September einen Tick weniger erwartet.

Linde-Chef Wolfgang Reitzle bestätigte die Konzernziele für das Gesamtjahr. „Wir liegen weiterhin auf Kurs, obwohl die Rahmenbedingungen in den vergangenen Monaten schwieriger geworden sind“, sagte Reitzle. Linde will 2012 seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr erhöhen und sein operatives Konzernergebnis ausbauen. Damit würde Linde die Rekordergebnisse 2011 übertreffen, als ein Umsatz von 13,79 Milliarden Euro und ein operativer Gewinn von 3,21 Milliarden Euro in den Büchern standen.

Probleme zeigten sich im dritten Quartal allerdings im Geschäft in der Eurozone. Der Geschäftsverlauf im Gasebereich sei durch die schwache Konjunktur beeinträchtigt worden, erklärte Linde. Zudem nagte an den Umsätzen, dass eine Anlage in Südeuropa wegen Wartungsarbeiten stillstand. Rund lief es dagegen in Osteuropa, im Mittleren Osten und auch in Asien, wo Linde deutlich vom schwächeren Euro profitierte.

Der Konzern, der unter anderem die Stahl- und Elektrobranche mit Sauerstoff und Stickstoff beliefert, setzte im dritten Jahresviertel insgesamt 3,89 Milliarden Euro um und damit 13,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Seit August steuert der US-Gesundheitsdienstleister Lincare zum Konzernerlös bei. „Lincare hat sich bereits positiv ausgewirkt“, sagte Reitzle. Für den Kauf des US-Unternehmens, der Atemwegspatienten zu Hause mit Sauerstoff-Therapien versorgt, hatte Linde rund 3,6 Milliarden Euro gezahlt.

Mit Lincare ist Linde im Geschäft mit Medizingasen und der Gase-Versorgung von Atemwegspatienten die Nummer eins weltweit geworden. Unter dem Strich blieb im Quartal ein bereinigter Gewinn von 402 Millionen Euro - ein Plus von 8,4 Prozent.

Linde-Chef Reitzle kündigte an, den Sparkurs im Konzern fortzusetzen. In den Jahren 2013 bis 2016 sollen die Kosten um weitere 750 bis 900 Millionen Euro gesenkt werden. Linde strebt für das Jahr 2013 ein operatives Konzernergebnis von mindestens vier Milliarden Euro an. Zudem soll das Unternehmen im Jahr 2015 eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von mindestens 14 Prozent erzielen. Im vergangenen Jahr lag sie bei 13,0 Prozent.

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