Höhere Rohstoffkosten und mögliche Regressansprüche trüben die Aussichten
Bosch investiert deutlich mehr in kostengünstigen Schwellenländern

Bosch-Chef Franz Fehrenbach blickt mit Skepsis auf das Jahr 2005. Nach 5,5 Prozent im vergangenen Jahr erreiche die weltweite Autoproduktion in diesem Jahr nur noch ein Wachstum von 2,5 Prozent. Und auch in China, der Hoffnungsträger der Branche, läuft es stockender.

wb STUTTGART. „Auch in China hat sich die Expansion im Fahrzeugbau nach den Bremsmaßnahmen der Regierung deutlich verlangsamt“, sagte der Chef des weltgrößten Autozulieferers. Fehrenbach sieht noch kein Ende der Belastungen, die die Branche bereits 2004 zu tragen hatte. Die Lage auf den Rohstoffmärkten bleibe angespannt und werde die Robert Bosch Gruppe, die im vergangenen Jahr dank längerfristiger Lieferverträge fast ungeschoren davonkam, in diesem Jahr mit Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe treffen. Der Dollar wird nach Bosch-Schätzung weitere zehn Prozent gegenüber dem Euro verlieren. Auch der Preisdruck auf den Automärkten halte an.

„Vor diesem Hintergrund entwickelt sich unser Umsatz seit Jahresbeginn etwas verhaltener als zuvor“, formuliert Fehrenbach vorsichtig. Nach einem Umsatzwachstum um zehn Prozent auf 40 Mrd. Euro im Vorjahr erwartet er 2005 lediglich noch drei bis fünf Prozent Wachstum. Fehrenbach warnt: „Wenn wir das Ergebnis von 2004 wieder erreichen wollen, müssen wir uns mächtig strecken.“

Um die Kosten zu senken und neue Märkte zu erschließen haut Bosch seine Fertigungsbasis in kostengünstigen Schwellenländern weiter aus. In diesem Jahr sollen 30 (1994: 20) Prozent der Sachinvestitionen von rund zweieinhalb Milliarden Euro dorthin fließen.

Über die Kosten des Rückrufs einer fehlerhaften Dieselpumpe, mit dem Bosch Verzögerungen in der Produktion mehrerer Hersteller bewirkte, wollte sich Fehrenbach noch nicht äußern. Kunde Daimler-Chrysler kündigte an, seine Lieferanten für Rückrufaktionen in Regress zu nehmen. Ein Rückruf von 155 000 Fahrzeugen in den USA, den General Motors wegen möglicher Probleme mit einer Bosch-Bremse avisiert hatte, ist auf 50 000 Wagen geschrumpft, Kosten: zwei Mill. Dollar.

2004 hatten die hohe Auslastung und die noch stabilen Rohstoffkosten dem Konzern einen beachtlichen Ertragssprung ermöglicht: Vor Steuern verdiente Bosch 2,58 (1,83) Mrd. Euro, 6,4 (fünf) Prozent vom Umsatz. Damit rückte der 242 000-Mitarbeiter-Konzern der Zielrendite von sieben Prozent ein Stück näher.

Um sich nicht wieder allzu weit davon zu entfernen, will Bosch trotz des anhaltenden Preisdrucks versuchen, einen Teil der höheren Rohstoffkosten in die Preisverhandlungen mit den Autoherstellern einzubringen. Der größte Teil der Arbeit an den Kosten wird allerdings konzernintern anfallen. Die Verbesserung der Abläufe biete trotz bereits beachtlicher Erfolge noch „erhebliches Potenzial“, sagt Fehrenbach. „Bevor wir über Verlagerungen nachdenken, machen wir deshalb zuerst unsere Hausaufgaben.“ Personalkostensenkungen im Inland seien nicht zu umgehen.

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