Höhere Vergütungen für Strom aus Sonnenenergie heizen die Nachfrage kräftig an
Solaranlagen sind bis 2006 ausverkauft

Der erfolgreiche Börsengang und die guten Zahlen von Conergy haben es gezeigt: Solarunternehmen sind gefragt. Die Ausgabe von 4,5 Millionen Aktien des Hamburger Herstellers von Solaranlagen war Mitte März 29fach überzeichnet.

DÜSSELDORF. Für 2005 will der Börsenneuling sein Ergebnis mehr als verdoppeln. Die gesamte Solarbranche sonnt sich in einer Hochkonjunktur. Aktien von Unternehmen wie Solarworld, Sunways, Solarfabrik oder Solon verbuchten 2004 Kurssteigerungen bis zu 700 Prozent.

Grund für den Boom ist eine vor allem in Deutschland sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Solaranlagen zur Stromgewinnung. Seit die Bundesregierung die Einspeisevergütung für Solarstrom kräftig erhöht hat, können die Hersteller die Nachfrage nicht mehr befriedigen, obwohl ihre Kapazitäten steigen. „Die inländischen Fotovoltaikhersteller haben im vergangenen Jahr ihre Produktionskapazitäten verdoppelt“, sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft in Berlin. In Deutschland wurden rund 25 000 Solaranlagen zur Stromgewinnung mit einer Gesamtleistung von 300 Megawatt in Betrieb genommen gegenüber 150 Megawatt 2003. Dies waren erstmals mehr als in Japan, dem bisherigen Spitzenreiter in der Solarenergie.

„Die Hersteller sind bis 2006 praktisch ausverkauft“, erläutert Patrick Hummel, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Lieferzeiten von 14 Wochen sind an der Tagesordnung. Flaschenhals ist vor allem das Silizium, aus dem die Kollektoren für die Solaranlagen geschnitten werden. Die großen Hersteller wie Wacker oder Degussa investieren kräftig in neue Kapazitäten, Analyst Hummel erwartet eine Entspannung aber nicht vor 2006.

Rund 3 500 Unternehmen sind in Deutschland in der Solarindustrie tätig, der größte Teil davon Handwerksbetriebe. Knapp 50 stellen Wafer, Module oder ganze Solaranlagen her. Etwa zehn sind bereits an der Börse notiert. Doch nur Solarworld fertigt die ganze Palette von der Waferproduktion bis zur kompletten Solaranlage. Das Bonner Unternehmen ist mit dieser Strategie sehr erfolgreich. 2004 verdoppelte sich der Umsatz auf knapp 200 Mill. Euro, der Jahresüberschuss stieg auf 18 Mill. Euro nach einem Verlust von 5,4 Mill. Euro im Jahr zuvor.

Die Attraktivität der Sonnenenergie haben auch die Energiekonzerne entdeckt. BP, Shell oder RWE steigen direkt oder über Töchter in die Produktion von Solarzellen oder Modulen ein. Shell Solar hat im Herbst als Generalunternehmer das weltweit größte Solarstrom-Kraftwerk in Espenhain bei Leipzig in Betrieb genommen und alle 33 500 Module geliefert. BP hat in den vergangenen fünf Jahren weltweit 500 Mill. Dollar in Solaraktivitäten investiert und schrieb 2004 erstmalig schwarze Zahlen im internationalen Solargeschäft. RWE Schott Solar nennt sich selbst Europas größter Solarhersteller und will seine Standorte im bayerischen Alzenau und in Tschechien kräftig ausbauen. Als weltweiter Marktführer bei Photovoltaikmodulen gilt Sharp. Der japanische Konzern verfügt in Japan über zehn Fertigungslinien mit einer Kapazität von 400 Megawatt.

Nicht nur in Deutschland wächst der Markt rasant. Japan und die USA fördern die Solarenergie seit längerem. Jüngst hat auch Spanien eine Einspeisevergütung verabschiedet und schreibt vor, dass neue Gebäude Vorrichtungen zur Gewinnung von Solarenergie haben müssen.

Analyst Hummel erwartet, dass Solaranlagen in Ländern wie Spanien bald ohne Subventionen rentabel sein werden. „Die Kostensenkungen aus den jetzt gebauten großen Fabriken und die Lerneffekte mit der Technologie werden die Anlagen rentabel machen“, schätzt er. Zudem sinkt die Vergütung für Neuanlagen in Deutschland jedes Jahr um fünf Prozent. Verbandsgeschäftsführer Körnig erwartet, dass Fotovoltaikanlagen in zehn Jahren in Mittelmeerländern mit dem Preis für Spitzenlaststrom zum Betreiben von Klimaanlagen konkurrieren können.

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