Höherer Streubesitz erleichtert Übernahmen
Ausländer kontrollieren deutsche Konzerne

Ausländische Investoren haben in den letzten Monaten so viele deutsche Aktien gekauft wie noch nie. Allein im Mai und Juni erwarben sie nach Berechnungen der Bundesbank hiesige Titel im Wert von 71 Milliarden Euro. Inzwischen befinden sich bereits acht der 30 Dax-Konzerne mehrheitlich in ausländischer Hand.

DÜSSELDORF. Die neuen Eigner drängen auf Profitabilität. „Die muffigen Zeiten der Deutschland AG sind zu Ende und kommen nicht wieder“, sagt der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz.

Ausländische Investoren erhöhten ihr Finanzengagement von Anfang Januar bis Ende Juni gegenüber dem ersten Halbjahr 2004 um 22 Prozent, ermittelte die Prüfungsgesellschaft Ernst & Young. Unstrittig ist, dass Bundeskanzler Gerhard Schröders Ankündigung vom 22. Mai, vorgezogene Neuwahlen anzustreben, den Trend zuletzt noch verstärkt hat. „Der deutsche Markt ist aus Sicht der Investoren bei weitem nicht ausgereizt. Er verspricht ein vergleichsweise hohes Entwicklungspotenzial und hohe Kapitalrenditen“, sagt Joachim Spill von Ernst & Young.

Neben der Neuwahl-Phantasie und damit verbundenen Reformhoffnungen lockt auch die attraktive Bewertung deutscher Aktien ausländische Investoren an. Käufer bezahlen Titel der Dax-Konzerne trotz der starken Kurszuwächse zurzeit nur mit dem Zwölffachen des erwarteten Jahresgewinns – ein Abschlag von 20 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Grund dafür sind die Rekordgewinne.

Hinzu kommt, dass die seit 2001 geltende steuerfreie Veräußerung von Beteiligungsgewinnen die Entflechtung der Deutschland AG beschleunigt hat. Die von Rot-Grün eingeführte Regelung, die eine unionsgeführte Bundesregierung aufheben will, motivierte zahlreiche Unternehmen, Tochtergesellschaften zu verkaufen. Dadurch erhöhte sich der Streubesitz bei den Anteilsscheinen der Konzerne erheblich. Insbesondere ausländische Investoren kaufen die jahrzehntelang in festen Händen befindlichen Aktien. In den letzten vier Jahren haben sie ihren Anteil an den Dax-Konzernen nach Berechnungen des Handelsblatts um fast ein Viertel auf 43,8 Prozent erhöht.

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