Die Schließung des Hamburgers Aluminiumwerks (HAW) im vergangenen Jahr hatte für viel Wirbel gesorgt, denn die Fabrik arbeitete profitabel. Hunderte Menschen verloren ihre Arbeit. Nun gibt es neue Hoffnung: Die Essener Trimet Aluminium AG beabsichtigt, das HAW zu übernehmen und neu zu starten. Die Verhandlungen mit den Eignern scheinen gut zu laufen.
DÜSSELDORF/HAMBURG. „Wir wollen bei der HAW möglichst schnell die frühere Produktionskapazität von 130 000 Jahrestonnen erreichen“, sagte Heinz-Peter Schlüter, Vorstandschef und Eigentümer von Trimet, am Mittwoch in Hamburg. Mit der Übernahme von HAW, der drittgrößten Aluminiumhütte in Deutschland, stiege Trimet zum größten Aluminiumproduzenten hier zu Lande auf.
Trimet hat mit den bisherigen HAW-Eignern eine Absichtserklärung unterzeichnet. Bis Ende Oktober sollen die Details ausgehandelt und ein Kaufvertrag geschlossen werden. An HAW sind die drei Konzerne Norsk Hydro aus Norwegen, Alcoa aus den USA und die österreichische Amag zu je einem Drittel beteiligt.
Geschäft schon einmal gescheitert
Die bisherigen HAW-Eigentümer hatten die bis zuletzt profitable Aluminiumproduktion in Hamburg Ende 2005 trotz heftiger Kritik aus Politik und Wirtschaft geschlossen; 450 Mitarbeiter verloren dadurch ihren Job. Als Grund führten die HAW-Eigner die stark gestiegenen Strompreise an, die einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb der energieintensiven Primär-Aluminiumerzeugung über das Jahr 2005 hinaus verhinderten. Strom ist der wichtigste Produktionsfaktor bei der Erzeugung des Leichtmetalls. Auf ihn entfallen 38 Prozent der Kosten.
Bereits vor einem Jahr hatte Trimet einen ersten Anlauf zur Übernahme der modernen HAW gestartet. Eine Einigung mit den HAW-Eignern scheiterte jedoch am Kaufpreis und der Frage, wer für die Sanierung des belasteten Firmengeländes geradesteht. Dieser Streitpunkt ist nun ausgeräumt. Die bisherigen Gesellschafter zahlen an den Eigentümer des Firmengeländes, die Hamburger Hafenbehörde HPA, einen zweistelligen Millionenbetrag für die Sanierung und sind damit von künftigen Risiken freigestellt. „Dabei handelt es sich nicht um eine Subvention; es fließt kein Steuergeld“, unterstrich der Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU). Außerdem dürfte Trimet sein Angebot nachgebessert haben, vermuten Branchenkenner. Der Aluminiumpreis ist innerhalb eines Jahres von 1 500 auf 1 900 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Trimet-Chef Schlüter selbst machte keine Angaben zum Kaufpreis.
Lesen Sie weiter auf Seite 2:
Noch unklar ist, von welchem Energieversorger HAW künftig Strom bezieht. „Wir werden mit RWE und auch mit Vattenfall reden“, sagte der Trimet-Chef. Bisher versorgte Vattenfall HAW mit Strom. Lieferant für die Trimet-Aluminiumhütte in Essen mit einer Kapazität von 220 000 Jahrestonnen ist dagegen seit Jahren der Essener Energieversorger RWE. Der dürfte sich die Chance, einen neuen Großkunden in Hamburg zu gewinnen, nicht entgehen lassen. Auch Schlüter ist zuversichtlich, günstige Konditionen für den Strombezug zu bekommen.
Die nicht an der Börse notierte Trimet will die HAW-Übernahme sowie die Kosten für das Wiederanfahren der Produktion vor allem aus Eigenmitteln finanzieren. „Wir benötigen kaum Fremdkapital“, erklärte Unternehmenschef Schlüter. Analysten beziffern den Kaufpreis für HAW auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Außerdem will Trimet in diesem Geschäftsjahr rund 40 Mill. Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten investieren.
In Hamburg will Trimet vor allem Spezialitäten produzieren. Geplant ist zudem, mittelfristig eine eigene Gießerei auf dem Gelände zu errichten. Vorerst will Trimet die Gießerei von Norsk Hydro nutzen, die die Norweger nahe der HAW betreiben. Die 1985 von Schlüter gegründete Trimet-Gruppe ist in den drei Sparten Aluminiumproduktion, -handel und Autozulieferung tätig aktiv und hat 2005 ihr bisher bestes Ergebnis erzielt.
Trimet trotzt hohen Stromkosten
Alu-Produzent: Die Trimet Aluminium AG ist der größte konzernunabhängige Aluminiumproduzent in Deutschland. Die Gesellschaft verfügt bisher bundesweit über vier Standorte. Darunter besitzt sie in Essen eine Aluminiumhütte und in Gelsenkirchen ein Recyclingwerk.
Mehr Ertrag: Die Trimet-Gruppe hat im vergangenen Geschäftsjahr 05/06 (30. Juni) den Umsatz um mehr als zehn Prozent auf rund 530 Mill. Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) kletterte auf 43,1 (35,3) Mill. Euro.
Teure Produktion: Die Trimet-Gruppe benötigt für die Produktion von Aluminium Strom, der in Deutschland teuer ist. Eine gesetzliche Sonderregelung für energieintensive Unternehmen entlastet aber den Essener Konzern um einen einstelligen Millionenbetrag.

