Hohe Effizienz sichert die Arbeitsplätze im Thüringer Werk des Zulieferers
Paragon lässt das Auto schnuppern

Im vergangenen Jahr hat Paragon aus dem westfälischen Delbrück seinen Konzernumsatz um 59 Prozent auf 65 Mill. Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) um 79 Prozent und den Gewinn vor Steuern um 46 Prozent auf 3,5 Mill. Euro gesteigert.

SUHL. Für Klaus Dieter Frers, Gründer-Chef und mit 52 Prozent Kapitalanteil Hauptaktionär der Paragon AG, ist das Wachstum greifbar. Seit er 1997 seine Produktion in einer Werkshalle im thüringischen Suhl konzentrierte, sind stetig neue Gebäude hinzugekommen. Paragon griff zu, als ein benachbarter Autohändler in die Insolvenz ging und ein Stahlhändler auf der anderen Grundstücksseite große Hallen- und Geländeflächen hinterließ.

Noch ist der jüngste Erwerb nicht ganz bezogen. Doch schon ist absehbar, dass auch die neuen Flächen trotz modern verdichteter Produktionsanlagen nicht lange ausreichen werden. Frers: „Wir haben schon Reservegelände bei der Stadt Suhl vormerken lassen.“ Die steile Wachstumskurve des Paragon-Geschäfts lässt wenig Zeit zum Pausieren.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen aus dem westfälischen Delbrück seinen Konzernumsatz um 59 Prozent auf 65 Mill. Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) um 79 Prozent und den Gewinn vor Steuern um 46 Prozent auf 3,5 Mill. Euro gesteigert. Allein das organische Umsatzwachstum lag in der Nähe von 40 Prozent. Dabei zählt Paragon mit einem Automobil-Anteil von 60 Prozent zu den Auto-Zulieferern.

Erklären lässt sich die Dynamik zum einen wohl damit, dass die Produkte noch vergleichsweise jung sind – die meisten von ihnen haben etwas mit Sensoren zu tun. Zum anderen wirkt offensichtlich das Rezept, fertige Lösungen von der Entwicklung bis zur Logistik zu vernünftigen Kosten anzubieten. „Wir versuchen grundsätzlich, unseren Kunden ein Rundum-Wohlfühlpaket zu schnüren“, sagt Frers.

Zusätzlich gestützt auf eine kosteneffiziente Fertigung ist Paragon nach eigener Einschätzung heute Weltmarktführer bei Luftgütesensoren. Und die halten zunehmend Einzug in Autos der Ober- und Mittelklasse. In eine intelligente Elektronik verpackt, erschnuppern die beschichteten Keramik-Plättchen vor allem Kohlen- und Stickoxide in der einströmenden Außenluft und geben bei Bedarf der Klimaanlage den Befehl, die Zufuhr zu verschließen. Andere Sensoren geben Schaltimpulse an elektronische Getriebe weiter. Zum Programm gehören auch ins Lenkrad eingebaute Bedienelemente, Lenkradheizungen und Freisprech-Mikrofone – demnächst sogar in den Sitzgurt integriert.

Die eigentlichen Sensoren, zuvor noch fremdbezogen, kommen überwiegend aus Suhl, seit Paragon 2003 die Luftgütesensor-Sparte von Bosch übernommen hat. Die Entstehung des starken Thüringer Standbeins zeigt eine Stärke des Familien-Unternehmens, das zu 52 Prozent Frers gehört und zu 48 Prozent in Streubesitz ist: Entscheidungsfreude und konsequentes Handeln.

Nachdem Frers 1991 ein altes Robotron-Werk in Zella-Mehlis übernommen hatte, staunte er nur noch: „Die Thüringer haben Delbrück in Sachen Produktivität immer wieder übertroffen.“ Folgerichtig kam auch die Delbrücker Produktion 1997 nach Suhl. Die Fertigkeit der improvisationstrainierten Thüringer Ingenieure, aus ihren Anlagen das letzte herauszukitzeln, hatte gesiegt. In Delbrück blieben Zentrale und Entwicklungsabteilung des 390-Mitarbeiter-Konzerns.

Ausflüge nach Osteuropa kommen für Frers auf absehbare Zeit nicht inFrage: „Das wollten wir immer vermeiden. Wir sehen es als eine Art sportlichen Wettstreit, hier rentabel zu produzieren. Und mit unseren Produkten, die höchste Automatisierung erlauben, geht das.“ Das Geheimnis dahinter: „Bei unseren Entwicklern hat fertigungsgerechtes Design oberste Priorität.“

Nach dem Börsengang 2000, hat Frers begonnen, Lücken in der regionalen Abdeckung und der Produktpalette mit Zukäufen zu schließen. So erwarb er 2001 die US-Tochter Miquest Corp.. 2004 kam dann noch der Schwarzwälder Auto-Armaturen-Hersteller und Ex-Kunde Andreas Haller hinzu. Jetzt sollen auch die Aktionäre in den Genuss des Unternehmenserfolgs kommen: Für 2004 winkt ihnen erstmals eine Dividende von 10 Cent pro Aktie.

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