Hohe Erwartungen wollen erfüllt werden
US-Quartalsbilanzen werden spannend

Mit Beginn der Quartalsberichte in der kommenden Woche wird der Konjunkturoptimismus an der Wall Street auf eine ernste Probe gestellt.

Reuters NEW YORK. Die Anleger warten mit Spannung darauf, ob die Geschäftszahlen der Unternehmen die jüngste Kursrally an den US-Aktienmärkten rechtfertigen oder nicht. Sollten die Firmen mit ihren Ergebnissen enttäuschen, rechnen Börsianer mit einer Korrektur nach unten.

Erste Trends von Juniper erwartet

Die Berichtssaison startet kommende Woche mit Industrie-Hochkarätern wie dem weltgrößten Aluminiumproduzenten Alcoa und dem Mischkonzern General Electric. Erste Trends für den Technologiesektor versprechen sich die Investoren von den Bilanzen des Netzwerkausrüsters Juniper Networks und des Internetkonzerns Yahoo.

Die Erwartungen sind dabei ebenso hoch wie die Zuversicht. „Natürlich wollen wir Belege dafür sehen, dass es bei den Unternehmen weiterhin gut läuft und dass die Konjunktur etwas anzieht“, sagte Erik Gustafson, Fondsmanager bei Columbia Management Group.

Wichtige Hinweise auf die Unternehmenszahlen liefern üblicherweise die Wochen vor Quartalsende, in denen Firmen erste Informationen über den Geschäftsverlauf geben, häufig um die Anleger auf unliebsame Überraschungen vorzubereiten. Diese „Phase der Bekenntnisse“ - an der Wall Street spricht man von „confession season“ - lief zuletzt relativ glimpflich ab. Wie die Marktforscher von Thomson First Call ermittelten, warnte von den Firmen, die vorläufige Schätzungen abgaben, nur etwas mehr als die Hälfte vor unter den Analysten-Prognosen liegenden Geschäftszahlen. Der Rest geht davon aus, die Markterwartungen zu erfüllen oder gar zu übertreffen.

Dreimonatige Kursrally

Hoffnungen auf eine rasche wirtschaftliche Belebung hatten der Wall Street in den vergangenen dreieinhalb Monaten zu kräftigen Kursgewinnen verholfen. Die maßgeblichen Börsenbarometer legten mit der abnehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg deutlich zu. So stieg der S&P-500-Index, der den breiten Markt widerspiegelt, von seinem bisher tiefsten Stand in diesem Jahr am 11. März bis zu seinem Ein-Jahres-Hoch Mitte Juni um rund 26 Prozent. Bei einer leichten Konsolidierungsphase in der zweiten Juni-Hälfte konnten die Indizes ihre Gewinne weitgehend behaupten.

Zuletzt hatten sich an der Wall Street allerdings Befürchtungen verstärkt, dass die anstehenden Unternehmenszahlen und Konjunkturdaten nicht stark genug sein werden, um den Markt auf dem aktuellen Niveau zu stützen. Die jüngsten Zahlen deuten zwar auf eine allmähliche Belebung der weltgrößten Volkswirtschaft hin, lassen aber noch keine kräftige Wachstumsbeschleunigung erkennen. Auch weniger erfreuliche Wirtschaftsdaten haben die Märkte bislang gut verdaut. „Die Kerze für eine Erholung im zweiten Halbjahr brennt noch“, sagte Bryan Piskorowski, Marktanalyst bei Prudential Securities. „Der Markt könnte eine Konsolidierung gebrauchen.“

Aber die Wall Street sehe das Glas derzeit eher halb voll als halb leer. Nach den Worten von Charles White, Präsident der Investmentfirma Avatar Associates, hält der Konjunkturoptimismus auch den Einwürfen der Skeptiker Stand. Bis das Gegenteil nicht bewiesen sei, glaubten die Anleger weiterhin an eine merkliche Erholung der Wirtschaft. Die nötigen Impulse dafür erhoffen sie sich von den beschlossenen Steuererleichterungen sowie den aggressiven Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed).

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