Hohe Nachfrage
Japans Elektrosektor frohlockt

Für die japanische Elektrobranche läuft es derzeit rund: Der schwache Yen begünstigt den Export, darüber hinaus konnten Firmen wie Sharp oder Sanyo ihre Unternehmsabläufe profitabler gestalten. Auch ein einstiges Sorgenkind zeigt sich, trotz Problemen, wieder auf der Gewinnerseite.

TOKIO. Japans Elektronikindustrie profitiert von weltweit starker Nachfrage, einem schwachen Yen und gestiegener Kauflust im Heimatmarkt. Alle größeren Hersteller konnten in dieser Quartalszahlsaison deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen verbuchen. Wachstumsfirmen wie Sharp und Matsushita bauen ihren Vorsprung im laufenden Preiswettbewerb bei Fernsehern und Videoausrüstung aus, indem sie immer effizienter produzieren. Das einstige Sorgenkind Sony ist auf der Sonnenseite zurück und kann den Gewinn verdoppeln. Selbst Problemfirmen wie Sanyo stehen angesichts des freundlichen Umfelds plötzlich wieder gut da.

Sanyo präsentierte gestern mit 2,6 Mrd. Yen (16 Mill. Euro) zwar nur einen kleinen Nettogewinn – aber den ersten seit drei Quartalen. Dazu trug jedoch auch der Verkauf der Finanzsparte Sanyo Electric Credit an General Electric bei, der im abgelaufenen Quartal (bis 30. Juni) acht Mrd. Yen in die Kasse spülte. Derzeit läuft der Verkauf der Chipsparte des Unternehmens, die seit einem Erdbeben 2004 Geld kostete. „Unser Hauptziel für dieses Jahr ist es, wieder profitabel zu werden“, sagte Firmenchef Koichi Maeda. Im November will er einen „Masterplan“ für die Restrukturierung des Unternehmens vorlegen.

Besser geht es Wettbewerber Sharp, dessen TV-Geschäft besonders zulegte. Konzernweit stieg der Nettogewinn im Quartal um 1,4 Prozent auf 24 Mrd. Yen. Dank hocheffizienter Herstellung in Sharps neuen Fabriken konnte das Unternehmen vor allem für große Fernseher die Preise senken, ohne Profitabilität einzubüßen. Weitere Investitionen von mehreren hundert Mill. Yen in neue Werke sind geplant, sagte der Chef der Display-Sparte, Toshihiko-Hirobe.

Bei Sony hinkt weiter die Spielesparte hinterher, denn das Unternehmen zahlt für jede verkaufte Videospielkonsole der Marke Playstation 3 kräftig drauf. Doch im abgelaufenen Quartal hat ein lebhaftes Geschäft mit Digitalkameras und Videorekordern die Zuzahlungen mehr als ausgeglichen. „Die Erholung der Gewinnmargen ist auffällig“, sagt Analyst Yasuo Nakane von der Deutschen Securities Tokyo. Einige Geschäftsbereiche – etwa die Spiele – blieben jedoch anfällig für Schwankungen, sagte Nakane. Sony gab bekannt, dass in diesen Tagen eine neue Fabrik seines TV-Gemeinschaftsunternehmen für LCD-Grundplatten mit dem koreanischen Partner Samsung anläuft.

Wettbewerber Matsushita konnte die Position seiner Hauptmarke Panasonic weiter ausbauen, verdiente jedoch anders als Sharp mit Fernsehern weniger Geld als im Vorjahresquartal. Der Nettogewinn ging jedoch insgesamt um knapp zehn Prozent herauf. Auch Canon und Toshiba legten starke Zahlen vor. Wegen des Aufschwungs in der Elektronikindustrie erwartet Toshiba gutes Wachstum des Chipgeschäfts. Außerdem konnte der Mischkonzern Großaufträge in China und den USA für seine Kraftwerksparte heranziehen.

Canon dagegen korrigierte trotz guter Zahlen sein angepeiltes Jahresergebnis nach unten: Das Unternehmen passte seine Abschreibungsregeln internationalen Standards an. Büroausrüstung und Kameras verkauften sich jedoch bestens, so dass der Umsatz um knapp zehn Prozent heraufging. Analysten zufolge gaben viele Japaner ihren traditionellen Frühjahrsbonus für Elektronik aus.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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