Hohe Preise belasten
Industrie denkt über eigene Stromversorgung nach

Der rasante Anstieg der Strompreise in Deutschland macht nicht nur den Privatkunden zu schaffen. Energieintensive Industrieunternehmen sehen die ebenfalls zunehmend kritisch. Manche denken gar über den Aus- oder Aufbau einer eigenen Stromversorgung nach.

HB HAMBURG. Nach einer Übersicht der Commerzbank gelten in Deutschland die zweithöchsten Preise für Industriestrom in Europa, nach Italien. Das hat bereits Konsequenzen gehabt: Der norwegische Energie- und Aluminiumkonzern Norsk Hydro begründete die teilweise Schließung seines Aluminiumwerks in Hamburg und das endgültige Aus für sein Werk in Stade mit den hohen Preisen für Industriestrom.

Nach Auskunft des Sprechers des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), Roland Schmied, gibt es derzeit zwar eine Reihe von Unternehmen, die Überlegungen zum Bau eines eigenen Kraftwerks anstellen. „Wir hören das immer wieder“, sagte Schmied. Bislang sei aber kaum eines dieser Projekte tatsächlich aus der Schublade gezogen worden. Der Bau von Kraftwerken zähle in der Regel nicht zum Kerngeschäft des jeweiligen Unternehmens. „Da will sich niemand ein Kraftwerk ans Bein binden, solange er nicht weiß, wo die Strompreise in einigen Jahren sind“, sagte Schmied.

Ein Manager, der so etwas jetzt in die Tat umsetzen will, ist Werner Marnette, Chef von Europas größter Kupferhütte, der Norddeutschen Affinerie (NA) in Hamburg. Er ist einer der schärfsten Kritiker der Strompreise. Zusammen mit der Hamburger Stadtreinigung will er ein 100-Megawatt-Kraftwerk für den Eigenbedarf bauen. „Das Kraftwerk wird im Verlauf des Geschäftsjahres 2008/09 in Betrieb gehen und die NA-Standorte Hamburg und Lünen mit Strom zu einem Preis versorgen, der bei weitem unter den heutigen Börsenpreisen liegt“, teilte das Hamburger Unternehmen am Dienstag mit.

Marnette folgt damit dem Beispiel anderer Unternehmen. Laut VIK haben viele Branchen bereits eine eigene Energieerzeugung in nennenswertem Umfang. Dazu zählen auch Unternehmen der Stahlindustrie. Aber vor allem so genannte Elektro-Stahlwerke, die zu rund 30 Prozent an der deutschen Stahlerzeugung beteiligt seien, litten derzeit unter den hohen Strompreisen, sagte der Präsident der Düsseldorfer Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling.

Das Chemieunternehmen Dow Chemical, das in Stade bei Hamburg ein energieintensives Werk zur Produktion von Chemikalien betreibt, beobachtet die Entwicklung der Stromkosten mit großer Sorge. Gegenwärtig erhalte das Unternehmen noch kostengünstigen Strom. Wenn der jetzige Vertrag in einigen Jahren auslaufe, habe das Unternehmen mehrere Optionen, sagte ein Sprecher. Dazu zähle auch die Erweiterung des kleinen eigenen Kraftwerks. Stahlproduzent Salzgitter plant eine Investition von rund 150 Mill. Euro für die Modernisierung und Kapazitätsausweitung des eigenen Gaskraftwerks. Die Arbeiten hätten bereits begonnen.

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