Hohe Reputation und stabile Geschäftsbeziehungen für Markenhersteller
Adidas bekommt die Zulieferer in den Griff

Ein chinesischer Dissident brachte den Stein ins Rollen. Seine während der Weltmeisterschaft in Paris 1998 geäußerten Vorwürfe, er habe als Häftling Adidas-Fußbälle herstellen müssen, entsetzten Verbraucher und Aktionäre. Zudem tauchten Berichte über Kinderarbeit in asiatischen Zulieferfabriken von Sportartikelherstellern auf. Das bewirkte einen radikalen Kurswechsel bei Adidas-Salomon. Heute gehört der Sportartikelhersteller mit den drei Streifen weltweit zu den Vorbildern, wenn es darum geht, Zulieferer in die Verantwortung für Arbeitsschutz, Soziales und Umwelt zu ziehen.

HERZOGENAURACH. „In Zukunft sollen Zulieferer, die von uns als Risikobetriebe identifiziert wurden, intensiver geprüft werden, insbesondere in Ländern, wo es wiederholte Probleme bei der Einhaltung unserer Standards, wie beispielsweise von Arbeitszeitregelungen oder Koalitionsfreiheit, gibt“, kündigte Frank Henke an, weltweiter Direktor für Umwelt und Soziales. Das gelte vor allem für China und Indonesien.

Die Kontrolle der Zulieferer ist eine Herausforderung für den Konzern, der fast alle Produkte bei Dritten herstellen lässt. Als der Dissident Bao Ge auspackte, herrschte in Herzogenaurach Chaos, weil man nicht wusste, ob die Vorwürfe stimmten. Widersprüchliche Angaben von Konzernvertretern verschlimmerten die Lage. „Das brachte allen die ganz neue Erkenntnis über die Verletzbarkeit von Marken“, erinnert sich Henke, damals verantwortlich für das Thema Umwelt. „Es gab uns den Impuls, die Beschaffungskette sehr viel besser zu durchleuchten, neue Managementstrukturen zu schaffen und innovative Vorgehensweisen zu etablieren. Seit der WM war uns klar, dass wir daran intensiv arbeiten müssen.“ Seither gab es keine Widerstände mehr dagegen.

Sofort kamen verbindliche Verhaltensnormen für Arbeitsplatzbedingungen und Geschäftspraktiken („Standards of Engagement“) in alle Lieferverträge. Seither dürfen Zulieferer keine Kinder mehr beschäftigen, Mitarbeitern nicht mehr als 60 Arbeitsstunden pro Woche zumuten und müssen faire Löhne zahlen.

Der neu geschaffene 32-köpfige Zentralbereich Soziales und Umwelt erarbeitete Richtlinienkataloge mit praktikable Kriterien für Umweltschutz, Sicherheit, Gesundheit, Arbeitbedingungen und vorbildliche Umweltpraktiken. „Adidas liegt damit international weit vorne“, urteilt Cornelia Heydenreich von der Nicht-Regierungsorganisation Germanwatch. „Zusammen mit Nike und Reebok wurde neues Terrain betreten“, bestätigt Mike Pflaum von der christlichen Initiative Romero.

Seite 1:

Adidas bekommt die Zulieferer in den Griff

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%