Hohe Verschuldung
Thyssen-Krupp drohen Risiken bei Krediten

Thyssen-Krupp vermeldet bei den Übersee-Stahlwerken noch keinen Verkaufserfolg. Der angeschlagene Konzern macht weiterhin Verluste, operativ läuft es aber besser. Doch die Aufkündigung von Kreditlinien droht.
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EssenThyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger konnte bei Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag noch keinen Befreiungsschlag verkünden. Der gebeutelte Konzern bleibt auf seinen verlustbringenden Stahlwerken in Brasilien und den USA sitzen – vorerst. Das Unternehmen schreibt weiter Verluste, operativ lief es im dritten Quartal des Geschäftsjahres (per Ende September) jedoch besser als erwartet.

Thyssen-Krupp fuhr einen operativen Gewinn von 332 Millionen Euro ein nach 384 Millionen vor Jahresfrist. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit 278 Millionen Euro gerechnet. Das Unternehmen bestätigte die Prognose, wonach der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im fortgeführten Geschäft im Gesamtjahr bei rund einer Milliarde Euro liegen soll - nach 1,4 Milliarden Euro 2011/12.

Nach Steuern und Anteilen Dritter verbuchte Thyssen-Krupp einen Verlust von 238 Millionen Euro nach einem Gewinn von 390 Millionen. Im Gesamtkonzern schrieb das Unternehmen in den ersten neun Monaten nach Anteilen Dritter einen Verlust von 983 Millionen Euro.

Und es gibt offenbar neue Risiken: Thyssen-Krupp droht per Ende September wegen hoher Schulden eine Aufkündigung von Kreditlinien durch Banken. Dies geht aus dem Zwischenbericht des Essener Mischkonzerns hervor. Thyssen-Krupp hatte danach zuletzt einen Anstieg des Verhältnisses der Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) auf 185,7 Prozent verzeichnet. Ist dies Ende September immer noch der Fall, droht eine Aufkündigung milliardenschwerer Kreditlinien.

„Die Thyssen-Krupp AG hat Vereinbarungen mit Banken, die bestimmte Bedingungen für den Fall vorsehen, dass das Verhältnis von Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) im Konzernabschluss 150 Prozent zum jeweiligen Bilanzstichtag (30. September) überschreitet“, heißt es im Zwischenbericht. „Es besteht ein Risiko, dass die Gearing-Grenze auch zum 30. September 2013 überschritten wird“, heißt es dort weiter. In diesem Fall sollten „mit den involvierten Banken“ Verhandlungen über einen Verzicht („Waiver“) auf die Grenzen aufgenommen werden – die Geldhäuser könnten Thyssen-Krupp dann vorübergehend von der Einhaltung der Auflagen befreien.

Die 150-Prozent-Regel gilt Thyssen-Krupp zufolge für einen Vertrag mit einem Bankenkonsortium über eine „derzeit nicht in Anspruch genommene Kreditlinie von 2,5 Milliarden Euro“. Diese läuft zum 1. Juli 2014 aus. „Dieser Vertrag kann mit sofortiger Wirkung gekündigt werden, wenn die Gearing-Grenze nicht eingehalten wird und dies von einer Bankengruppe verlangt wird, die mehr als 50 Prozent der Kreditlinie repräsentiert“, räumt der Konzern ein. Der Grenzwert gilt zudem für einen Vertrag über ein Förderdarlehen in Höhe von 207 Millionen Euro mit der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg. Auch für ein Darlehen in Brasilien, bei dem auch die Entwicklungsbank BNDES eine Rolle spielt, gilt die Grenze.

Thyssen-Krupp betont aber, der Konzern verfüge über ausreichende Mittel. „Selbst bei einer Überschreitung der Gearing-Grenze zum 30. September 2013 bietet die freie Liquidität auch im unwahrscheinlichen Fall einer Kündigung der Gearing-abhängigen Instrumente noch ausreichend Spielraum zur Deckung anstehender Fälligkeiten in den Brutto-Finanzschulden“, heißt es in dem Bericht weiter. Die Fälligkeiten in den Brutto-Finanzschulden bis zum Ende des nächsten Geschäftsjahres 2013/2014 beliefen sich auf 2,1 Milliarden Euro.

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  • Bilanzpressekonferenz auf 16:45 Uhr festzulegen ist wohl ein Taschenspielertrick

  • Mein Tip;geh zum Therapeuten!Und schau vorher in den Spiegel.Käm Dich mal.

  • Wenn ich noch an das TK Trade Center in Düsseldorf denke wo diese jungdynamischne Vorstände immer wieder mal total arrogant und überheblich "zu besichtigen" waren.
    Ein Laden voller Intriganten und dann auch noch teilweise bis über die Ohren korrupt.
    Das Ergebnis aus dieser Politik sehen wir jetzt!

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