Hohe Verschuldung zwingt Bayers Chemie-Tochter zu deutlichem Tritt auf die „Cash-Bremse“
Lanxess vor einem schwierigen Start

Unter günstigen Konjunktur-Bedingungen schickt sich der Bayer-Konzern an, seine Chemietochter Lanxess auszugliedern. Doch steht dem Bayer-Abkömmling kein leichter Start bevor. Denn der künftig viertgrößte Chemiekonzern Deutschlands ist finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet. Die Verbesserung von Liquidität und Kostenstruktur, erwarten Fachleute, wird dem Management erhebliche Anstrengungen abverlangen.

FRANKFURT/M. Die Aktionäre der Bayer AG werden am Mittwoch über das bisher größte Umbauvorhaben des Leverkusener Konzerns entscheiden. Mit Lanxess will er nahezu sein gesamtes Chemikaliengeschäft sowie die wachstumsschwächeren Teile seiner Kunststoff-Aktivitäten in die Selbstständigkeit entlassen. Zumindest teilweise folgt Bayer damit den Forderungen vieler Analysten und dem Vorbild anderer Konglomerate wie Hoechst, Sandoz oder ICI, die sich bereits in den 90er Jahren in Pharma- und Chemiekonzerne aufspalteten.

Eine Zustimmung dürfte den Aktionären damit nicht allzu schwer fallen, auch wenn das Vorhaben zunächst Kosten von rund 75 Mill. Euro verursachen wird. Denn die Trennung zielt eindeutig darauf, Ballast abzuwerfen und die Beweglichkeit des (verbleibenden) Bayer-Konzerns zu stärken.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich naturgemäß aus Sicht der künftig eigenständigen Lanxess. Sie befindet sich in mehrfacher Hinsicht in einer schwächeren Ausgangsposition als ihre Mutter. Legt man die Zahlen vom ersten Halbjahr 2004 zugrunde, trennt sich Bayer mit Lanxess von rund einem Fünftel seiner Umsätze, Mitarbeiter, Assets und Finanzschulden. Zugleich gibt der Konzern aber nur zwölf Prozent seines operativen Cashflows und lediglich sechs Prozent seiner operativen Erträge ab. Wichtige Finanzkennziffern wie Kapitalrenditen und Verschuldungsgrad werden bei Bayer künftig besser, bei Lanxess schlechter ausfallen als bisher.

Um ein Kreditrating im angestrebten Investmentgrad-Bereich zu sichern, musste der Leverkusener Konzern eine 200 Mill. Euro große Wandelanleihe gegenüber Lanxess zeichnen und damit eine spätere Kapitalerhöhung garantieren.

Mit derzeit rund 1,3 Mrd. Euro Netto-Verschuldung erscheint der Konzern relativ zu anderen Chemiefirmen allenfalls moderat finanziert. Die Finanzrelationen sind deutlich schlechter als bei Großkonzernen wie BASF oder Dow, aber besser als bei einigen von Private Equity-Firmen geführten Konkurrenten. Cognis etwa, die einstige Chemiesparte von Henkel, muss mit einem deutlich höheren "Leverage", sprich Verschuldungsgrad, zurecht kommen.

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