0 Bewertungen
24.04.2008 

Unter Betrug und Korruption im Gesundheitswesen leiden letztlich die Versicherten, beklagt Gabriele Bojunga, Gesundheitsexpertin bei Transparency International, einer weltweiten Anti-Korruptions-Organisation. Denn über die Medikamentenpreise zahlen am Endedie Patienten für die Marketingausgaben der Pharmafirmen.

"Es hat sich in den vergangenen Jahren vieles geändert, aber wenig verbessert", so Bojunga. "Im Gegensatz zu früher schalten die Unternehmen für Ärztereisen nun häufiger Event-Agenturen ein, vermeiden schriftliche Unterlagen und lassen die Ärzte auch schon mal einen Anteil an den Reisekosten übernehmen."

62 Beanstandungen hat der FSA im vergangenen Jahr erhalten - so viele wie nie zuvor. "Die Beanstandungen werden immer detaillierter", sagt FSA-Geschäftsführer Grusa. Oft erhält der Ethik-Hüter Hinweise von Konkurrenzunternehmen, aber zunehmend auch von Nicht-Mitgliedern wie Ärzten oder Apothekern. So sei auch die erhöhte Zahl der Beanstandungen zu erklären.

Seit dem FSA-Gründungsjahr 2004 führt Grusa die Geschäfte. Damals waren Korruptionsfälle in der Pharmaindustrie zur wahren Plage geworden; Staatsanwälte begannen in München mit Ermittlungen gegen Klinikärzte sowie Mitarbeiter der Pharmaunternehmen Bristol Myers Squibb, Amgen, Fujisawa und Servier. Die Unternehmen sollen sich den Ärzten gegenüber als äußerst großzügig erwiesen haben. So seien Mediziner etwa mit Reisen und Geschenken wie Laptops oder Golfschläger bedacht worden. Einige der Verfahren dauern bis heute an.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt soll der Medikamentenbranche gar mit der Einsetzung eines staatlichen Korruptionsbeauftragten gedroht haben, ließ sich aber nach Intervention der Branchenlobbyisten umstimmen, als die Industrie anbot, gegen die Bestechlichkeit in den eigenen Reihen selbst vorzugehen und den FSA zu gründen. "Das ist ungefähr so, als wenn der ADAC die Geschwindigkeitskontrollen für seine Mitglieder selbst übernehmen würde", ätzte Peter Sawicki, der heutige Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und einer der bekanntesten Kritiker von Pharmaunternehmen.

In der Tat müssen sich die Pharmaunternehmen nicht wirklich fürchten, weil der FSA keine eigenen Ermittlungen anstellen, sondern nur die betroffenen Unternehmen befragen darf. Auch die erstinstanzliche Höchststrafe von 50 000 Euro dürfte auf die finanziell oft gut gepolsterten Pharmaunternehmen kaum abschreckend wirken.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Methoden der sündigen Medikamentenhersteller.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Hopp vs. Hoeneß: Duell der Polarisierer 

Im Bundesliga-Spitzenspiel messen sich heute Abend der FC Bayern München und Tabellenführer 1899 Hoffenheim. Es ist auch ein Duell Uli Hoeneß vs. Dietmar Hopp. Doch obwohl sie als Gegner aufeinander treffen, verbindet sie vieles. So haben beide eine erfolgreiche Beziehung zum Fußball, sind aber auch außerhalb des Stadions als Geschäftsmänner Siegertypen. Bildergalerie


Anzeige