Meist kamen die Unternehmen jedoch mit Unterlassungserklärungen und angedrohten Strafzahlungen im Wiederholungsfall davon. Nur ein Unternehmen musste die 50 000 Euro bislang tatsächlich zahlen. Und da es sich um einen besonders schwerwiegenden Verstoß handelte, nannte der FSA - im Gegensatz zur bisher üblichen Praxis - sogar den Namen des sündigen Medikamentenherstellers: Novartis.![]()
Das Pharmaunternehmen hatte Ärzte zu einer Fortbildungsveranstaltung in den Spreewald eingeladen, lustige Bootsfahrt und zünftige Grillparty eingeschlossen. Erst nachdem das Magazin "Stern" darüber berichtet hatte, zeigte sich Novartis
bei der FSA selbst an.
Die FSA-Entscheidung
über ein zweites Verfahren soll im Sommer fallen: Novartis
soll mit hohen Honoraren Einfluss auf die Medikamentenentscheidung von Ärzten genommen haben. Novartis-Deutschland
-Chef
Peter Maag gab sogar kürzlich zu, dass sein Unternehmen bis vor Kurzem noch Barschecks an Ärzte ausgestellt habe.
Maag versuchte Anfang des Jahres, das Problem herunterzuspielen: Es gebe Nachholbedarf "bei einigen Mitarbeitern", räumte er noch vor dem FSA-Urteil
ein. "Schwarze Schafe in einer großen Population" machte der Novartis
-Geschäftsführer
unter seinen Beschäftigten aus. Inzwischen, so Maag, würden Ärztefortbildungen strikt am FSA-Kodex
ausgerichtet und zentral organisiert sowie Mitarbeiter in ethischem Verhalten geschult. "Wir dulden keine Kodexverstöße", sagt eine Sprecherin des Hauses.
Auch Ratiopharm will sich gebessert haben. Die Staatsanwaltschaft Ulm ermittelt gegen mehrere Hundert Pharmareferenten des Unternehmens - sie stehen im Verdacht, Ärzte mittels Geld und Geschenken zur Verschreibung der hauseigenen Präparate angehalten zu haben. Ratiopharm-Chef Philipp Daniel Merckle, der seit mehr als zwei Jahren an der Spitze des Unternehmens steht und in wenigen Tagen auf Geheiß seines Vaters, des Firmenpatriarchen Adolf Merckle, von dem familienfremden Manager Oliver Windholz abgelöst wird, hat dem Generikahersteller seither eine "ethische Neuausrichtung" verordnet.
Ratiopharm halte sich an die Gesetze, sagt ein Sprecher des Unternehmens - egal, ob es nun um die vorgeschriebene Zahl von kostenlosen Musterpackungen für Ärzte (pro Jahr maximal zwei Packungen eines Medikaments) oder um das Rabattverbot für Großhändler geht. Andere Unternehmen, so ist aus der Branche immer wieder zu hören, verteilen schon mal großzügig Musterpackungen, um Ärzte für ihre Medikamente anzufixen. Viele versuchten auch, das Rabattverbot zu umgehen, klagte Ratiopharm-Chef Philipp Merckle Ende vergangenen Jahres: "Ich habe deswegen die Politik und das politische Umfeld in den vergangenen Monaten persönlich aufgefordert, hier nicht wegzuschauen - bisher wurde allerdings nicht gehandelt."
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