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24.04.2008 

Gegenüber Ratiopharm bleibt Arne Schäffler dennoch skeptisch: "Den zum Teil radikal anmutenden Ankündigungen bei Ratiopharm stehen nur wenige nachvollziehbare Maßnahmen gegenüber." Schäffler ist einer der Sprecher einer Mediziner-Initiative namens "Mezis", die sich gegen das Korrumpieren der Arztpraxen durch die Pharmaindustrie engagiert. Mezis steht für: "Mein Essen zahl ich selbst."

Ausgerechnet Ratiopharm, das am lautesten ethisches Handeln ausgerufen habe, so Schäffler irritiert, unterwerfe sich noch nicht mal der freiwilligen Selbstkontrolle durch den FSA. Ratiopharm hingegen kontert, dass die hauseigenen Marketingrichtlinien sogar über den FSA-Kodex hinausgingen. Was das konkret bedeutet, darüber schweigt sich das Unternehmen jedoch aus. Außerdem seien im FSA ja vor allem die forschenden Pharmaunternehmen vertreten; die besonderen Interessen der Generikahersteller blieben unberücksichtigt, begründet der Konzern seine Kontroll-Abstinenz.

"Ratiopharm wäre uns willkommen", sagt dagegen FSA -Geschäftsführer Grusa, der den Generikahersteller deswegen auch zweimal schriftlich zur Zusammenarbeit aufgefordert hat. Eine Antwort hater nach eigener Aussage jedoch nichterhalten.

Auch andere Generikahersteller wie Stada oder Sandoz gehören nicht dem Selbstkontrollgremium der Branche an. Gegen Sandoz hat der FSA immerhin vor wenigen Wochen ein Gerichtsurteil erstritten: Das Unternehmen hatte Ärzten einen verbilligten Wasserspender vermittelt. Das Landgericht München untersagte Sandoz schließlich derartige Angebote; das Unternehmen will jedoch in der nächsten Instanz weiterkämpfen.

Sandoz oder Ratiopharm waren nie Mitglieder der FSA, andere Unternehmen sind längst wieder ausgetreten. Inzwischen finden sich über 40 meist mittelständische Pharmabetriebe wie Medice Arzneimittel, bekannt für das Erkältungspräparat Meditonsin, oder G. Pohl-Boskamp ("GeloMyrtol") nicht mehr auf der Mitgliederliste des FSA. Eine offizielle Begründung dafür wurde nicht publik.

Viele Abtrünnige sind inzwischen Mitglied bei einem konkurrierenden Selbstkontrollgremium: dem Verein Arzneimittel und Kooperation im Gesundheitswesen, kurz AKG. Bezüglich Geschenken und Einladungen zu internationalen Fortbildungsveranstaltungen fallen die Kodexvorschriften dort laxer aus; die zu erwartenden Geldstrafen für die Unternehmen liegen wahrscheinlich niedriger als beim FSA. Für Anfang April ist die erste Mitgliederversammlung des neuen Selbstkontrollgremiums angesetzt. "Wahrscheinlich weil der AKG milder ist, sind die Unternehmen aus dem FSA ausgetreten", mutmaßt Transparency-Expertin Bojunga.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Der AKG will auf Prävention setzen.

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