Der AKG sieht sich selbst freilich nicht als "Weichspülerverein" und betont, vor allem auf Prävention setzen zu wollen. Als kommissarischer Vorstandschef des neuen Vereins amtiert Sigurd Pütter, Chef des Iserlohner Herstellers Medice. Der Mann taugt allerdings nur bedingt als ethisches Vorbild: Vor Jahren musste er Steuern nachzahlen und eine Geldstrafe akzeptieren, weil er dem Finanzamt ein Konto in Liechtenstein nicht angezeigt hatte. Eine Nacht verbrachte Pütter auch in Untersuchungshaft. Er ist jedoch nicht vorbestraft.
FSA-Geschäftsführer Grusa bedauert die Abspaltung: "Es wäre besser, in Fragen des ethischen Pharmamarketings mit einer Zunge zu sprechen."
Über den Austritt der mittelständischen Pharmahersteller wunderten sich denn auch die Spitzenverbände der Krankenkassen: Dies zeige, "dass eine große Anzahl der Pharmaunternehmen nicht an einer Kontrolle der Marketingaktivitäten interessiert ist. Nach dieser Entscheidung stellt sich noch mehr als zuvor die Frage, ob die freiwillige Selbstkontrolle noch ernst zu nehmen ist oder zur Imagemaßnahme degeneriert", hieß es in einer Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft.
Joachim Odenbach, Sprecher des IKK Bundesverbandes, wird sogar noch deutlicher: "Wenn die freiwillige Selbstkontrolle nicht ausreicht, dann muss eben eine gesetzliche Regelung her."

