Hoher Nettoverlust im Quartal
GM sieht Licht am Ende des Tunnels

Der angeschlagene US-Autobauer General Motors fährt immer tiefer in die roten Zahlen. Im zweiten Quartal hat sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Die Anleger jedoch sind begeistert und die Aktie legte um mehr als fünf Prozent zu.

HB DETROIT. Damit honorieren die Aktienmärkte, dass der angeschlagene Konzern mit seiner Sanierung vorankommt: Firmenchef Rick Wagoner zeigt sich darüber zufrieden. Angesichts der Erfolge erwarte GM nun, seine Kosten in Nordamerika um 6 Milliarden Dollar in diesem Jahr zu senken, statt wie bisher geplant um 5 Milliarden. „Wir freuen uns besonders darüber, mit welcher Geschwindigkeit die Mitarbeiter den Turn-Around-Plan umgesetzt haben“, sagte Wagoner

Der weltweite Branchenführer wies dank der kräftigen Kostensenkungen am Mittwoch einen unerwartet hohen Betriebsgewinn aus. Im Kerngeschäft Autos schrieb GM im zweiten Quartal ohne Sonderposten erstmals seit 2004 überhaupt wieder schwarze Zahlen. Ohne Sonderposten war der bereinigte GM-Gewinn mit 1,2 Mrd. Dollar viermal so hoch wie am Finanzmarkt erwartet. Allerdings weitete der Konzern unter dem Strich seinen Netto-Verlust wegen Abschreibungen beim Stellenabbau auf 3,2 Mrd. Dollar aus. Die US-Autobauer verlieren seit geraumer Zeit Marktanteile an Konkurrenten aus Asien und Europa, weil sie zu lange auf Sprit schluckende Geländewagen setzten. Der Umsatz stieg um zwölf Prozent auf 54,4 Mrd. Dollar (rund 43 Mrd. Euro), im Kerngeschäft Autos gab es einen Zuwachs um rund ein Zehntel auf 45,2 Mrd. Dollar.

Vor allem die Kosteneinsparungen auf dem weltgrößten Automarkt USA trugen Früchte: GM wies hier noch einen bereinigten Verlust von 85 Mill. Dollar aus - rund eine Milliarde Dollar weniger als vor Jahresfrist. Vor allem geringere laufende Ausgaben für Pensionskosten trugen dazu bei.

Mit Hilfe eines umfassenden Sanierungspakets will GM künftig wieder dauerhaft Gewinn erwirtschaften. Der Plan sieht neben Produktions-Verlagerungen auch umfassende Stellenstreichungen vor: erst vor wenigen Tagen wurde die Opel-Produktion in Portugal stillgelegt. In den vergangenen Monaten hat GM mit Abfindungen und Angeboten zum Vorruhestand rund 35 000 Arbeitsplätze abgebaut. Zudem führte eine neue Vereinbarung mit den Gewerkschaften zur Senkung der Gesundheitskosten. GM spricht derzeit zudem mit Renault und Nissan über eine Allianz.

Für das erste Quartal hatte GM seine Bilanz im Mai revidiert und statt eines Verlustes einen Gewinn von 445 Mill. Dollar ausgewiesen. Nach fünf Quartalen hatte der Konzern damit erstmals wieder schwarze Zahlen ausgewiesen. 2005 war ein Rekordverlust von mehr als zehn Mrd. Dollar aufgelaufen.

Im Europageschäft verbesserte sich der um Sonderfaktoren bereinigte Gewinn von 30 Mill. auf nun 124 Mill. Dollar. Dazu habe unter anderem auch der Erfolg des neuen Opel Corsa beigetragen. Auf dem Heimatmarkt in Nordamerika verringerte GM seinen Verlust im Autogeschäft deutlich um 1,1 Mrd. Dollar auf nur noch minus 85 Mill. Dollar. In der Region Asien/Pazifik verringerte sich der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr dagegen leicht von 183 auf 167 Millionen Dollar.

Belastet wurde das Quartalsergebnis des Konzerns vor allem durch Sonderaufwendungen von insgesamt 4,3 Milliarden Dollar, davon 3,7 Milliarden nach Steuern für Abfindungen und vorzeitigen Ruhestand von Mitarbeitern. Damit will GM die Zahl seiner Stellen deutlich um 34 000 verringern.

GM leidet in Nordamerika unter einem schleichenden Verlust von Marktanteilen, hohen Gesundheitskosten für die Mitarbeiter sowie Pensionslasten. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern einen Rekordverlust von mehr als 10 Milliarden Dollar eingefahren und sich daher ein drastisches Sparprogramm mit massivem Stellenabbau verordnet. Zudem lotet General Motors mit dem erfolgreichen französisch-japanischen Konzern Renault-Nissan Möglichkeiten einer Zusammenarbeit aus. Die Idee geht auf den Milliardär Kirk Kerkorian zurück, der Großaktionär bei GM ist.

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