Holcim und Lafarge
Fusion nicht ganz vom Tisch

Die Fusion des Zementkonzerns Lafarge und des Konkurrenten Holcim scheint nicht komplett ad acta gelegt. Die Aufsichtsräte beider Firmen sollen Insidern zufolge am Dienstag in getrennten Sitzungen darüber beraten haben.
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Zürich/ParisHolcim und Lafarge versuchen ihren Zusammenschluss zum weltgrößten Zementkonzern zu retten. Insidern zufolge kamen die Aufsichtsräte der beiden Firmen am Dienstag zu getrennten Sitzungen zusammen. Das Holcim-Gremium hatte den im vergangenen April vereinbarten Fusionsplan einseitig über Bord geworden. Der Schweizer Konzern fordert Nachbesserungen beim Preis und wehrt sich gegen Lafarge-Konzernchef Bruno Lafont als Lenker des neuen Unternehmens.

Lafarge lehne Neuverhandlungen über die Führung des Unternehmens ab, sagte eine mit der Situation vertraute Person. „Der Aufsichtsrat kann Holcim nicht in allen Punkten zufriedenstellen“, sagte er. „Er kann nicht beides akzeptieren – eine Änderung des Austauschverhältnisses und eine Kontrollübernahme.“

Käme Lafarge den Forderungen von Holcim nach, wird aus der sorgsam ausgehandelten Fusion von gleich starken Partnern eine Übernahme. Denn beim geplanten Aktientausch will Holcim den Lafarge-Eignern nur noch 0,875 Aktien von Holcim statt wie ursprünglich vorgesehen eine Holcim-Aktie je Lafarge-Titel anbieten. Zudem drängt Holcim nun auf ein Übergewicht im Aufsichtsrat der neue Firma.

Ein größerer Holcim-Aktionär erklärte, Lafarge-Chef Lafont habe nach der Veröffentlichung des Jahresabschlusses Vertrauen bei vielen Investoren eingebüßt. Seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr von Lafarge seien bei vielen Investoren als allzu optimistisch eingestuft worden. Zudem bezweifelten sie, dass die bei einem Zusammenschluss mit Holcim angepeilten Einsparungen erreicht werden können.

Lafont ist seit 2007 sowohl Vorstandsvorsitzender als auf Aufsichtsratschef von Lafarge und gilt als Architekt der Übernahme des ägyptischen Zementherstellers Orascom, die dem Konzern hohe Schulden aufgebürdet hat.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern würde ein Platzen des Milliardendeals Lafarge stärker zusetzen als Holcim. „Beide haben viel zu verlieren, wenn der Deal scheitert, aber die Aktienkursentwicklung in den vergangenen Tagen zeigt, dass Lafarge wohl mehr zu verlieren hat als Holcim“, sagte ein Pariser Analyst. Über den vergangenen Monat hat die Holcim-Aktie fast vier Prozent zugelegt, während Lafarge knapp acht Prozent an Wert verlor.

Auch die Ratingagentur Fitch erachtet ein Platzen der Transaktion für Lafarge als negativ, während sich an der Einstufung von Holcim nicht viel ändern würde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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