Industrie

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Holzverarbeiter: Unbekannter Investor rettet Pfleiderer

Der Holzverarbeiter Pfleiderer ist insolvent - doch jetzt hat das Unternehmen einen bislang völlig unbekannten Investor gefunden: die Luxemburger Beteiligungsgesellschaft Atlantik. Sie wird alleiniger Eigentümer.

Die Pfleiderer AG ist insolvent - hat nun aber einen Investor gefunden. Quelle: dpa
Die Pfleiderer AG ist insolvent - hat nun aber einen Investor gefunden. Quelle: dpa

MünchenDer insolvente Holzverarbeiter Pfleiderer zaubert einen bislang völlig unbekannten Investor als Retter aus dem Hut. Die Beteiligungsgesellschaft Atlantik mit Sitz in Luxemburg werde alleiniger Eigentümer des bayerischen Unternehmens und sorge für die seit Jahren dringend benötigte Entschuldung, sagte Pfleiderer-Vorstand Hans-Joachim Ziems am Donnerstag. Die Finanzverbindlichkeiten des Konzerns, der sich mit gewagten Zukäufen übernommen hat, sollen auf 321 Millionen von bislang 960 Millionen Euro sinken.

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Während die Haupt-Gläubiger - Banken und Hedgefonds - entlastet werden und im Falle der Spekulanten teilweise sogar mit Gewinn aus der Angelegenheit kommen, gehen die Altaktionäre und die Gläubiger einer Hybrid-Anleihe leer aus. Hinter dem neuen Eigentümer stehen mit Michael Keppel ein erfahrener Sanierungsexperte und mit Kurt Kinzius ein früherer Top-Manager von Mannesmann.

Ziems sagte bei einer Presserunde am Münchner Flughafen, Atlantik sorge für eine Entlastung von 530 Millionen Euro. Der Rest werde durch Verkäufe zustande kommen. Das Unternehmen soll künftig ein Eigenkapital von 165 Millionen Euro haben, zur Zeit liegt es nach hohen Verlusten in der Vergangenheit und wegen der drückenden Schulden bei minus 675 Millionen. Ursache seien die vor dem Ausbruch der Finanzkrise zu teuer eingekauften Firmen. "Das war eine Nummer zu groß", sagte Ziems.

Operativ wird 2013 mit einem Gewinn (Ebitda) von 130 Millionen Euro gerechnet. "Das ist kein großer Sprung gegenüber 2012." Seit dem vierten Quartal 2011 schreibe die Gesellschaft - nur die Holding ist in der Insolvenz, dank eines Stillhalteabkommens der Banken aber nicht die operativen Töchter - wieder schwarze Zahlen.

Ziems ergänzte, Atlantik sei auf Firmen spezialisiert, die langsam aus der Sanierung herauskämen. Es handele sich um einen neuen Fonds. Unklar sei, woher sein Geld stamme. Atlantik wird Ziems zufolge mit dem Deal Geld verdienen, wenn der Umbau Erfolg hat und das Unternehmen in einigen Jahren verkauft werden kann. Über die Börse wird dies aber wohl nicht mehr passieren, denn das Listing von Pfleiderer soll eingestellt werden.

Ein Atlantik-Sprecher sagte, Pfleiderer solle nicht schnell wieder abgestoßen werden. Das Investment sei auf mehrere Jahre angelegt. Zu den finanziellen Details schwieg er sich aus. Im Umfeld des Investors hieß es, Keppel und Kinzius würden Posten im Aufsichtsrat beanspruchen, aber nicht in den Vorstand wollen. Pfleiderer braucht bald einen neuen Vorstand, weil Ziems und sein Kollege Elmar Geissinger als Sanierer geholt wurden und bald ihre Posten niederlegen dürften.

Keppel war von 2004 bis 2008 bei der renommierten Beratungsfirma Alvarez & Marsal tätig. Er war als Sanierer unter anderem bei Phoenix Pharmahandel, Ihr Platz und Securlog (ehemals Heros) aktiv. Heute ist er freiberuflicher Krisenmanager in Frankfurt und Aufsichtsratschef beim Telefonmarketing-Dienstleister Walter Services. Kinzius war bei Mannesmann einst die rechte Hand des streitbaren Firmenchefs Klaus Esser. Kinzius ist Aufsichtsratschef der ehemaligen Mannesmann-Tochter KraussMaffei Plastics Machinery, die zum Verkauf steht.

Der Pfleiderer-Insolvenzplan wird nun am 12. September am zuständigen Amtsgericht Düsseldorf erörtert, das noch zustimmen muss. Ziems rechnet damit, dass er bis Mitte Oktober rechtskräftig ist und dann umgesetzt werden kann. Das Unternehmen wird sich künftig allein auf die Produktion von Holzwerkstoffen in West- und Osteuropa konzentrieren - eine ähnliche Aufstellung wie vor Firmenkrise. Das Unternehmen, dessen Sitz von Neumarkt in der Oberpfalz nach Düsseldorf verlegt wird, hat momentan mit allen Töchtern noch 4700 Mitarbeiter.

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Rund 1000 davon würden durch Verkäufe wegfallen. Viele angedachte Transaktionen seien in der Endphase, sagte Ziems. Es handele sich vor allem um die Laminat-Tochter Pergo und den Spanplatten-Spezialisten Uniboard. Die Deals würden zwar mehr als 100 Millionen Euro einbringen, aber weit unter den Einkaufspreisen liegen.

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