Honda kündigt Zusammenarbeit auf
Airbag-Skandal reißt Takata in die Tiefe

Takata verliert seinen wichtigsten Kunden: Honda will wegen des Airbag-Skandals nicht mehr mit dem Marktführer zusammenarbeiten. Das hat dramatische Konsequenzen für den japanischen Hersteller.

Tokio/WashingtonDer Skandal um defekte Airbags trifft den weltgrößten Anbieter Takata mit voller Wucht. Mit Honda kündigte am Mittwoch der wichtigste Kunde die Zusammenarbeit teilweise auf. Der Auto-Hersteller teilte mit, Gasgeneratoren für Fahrer- sowie Beifahrer-Airbags nicht mehr von Takata zu nutzen. Die Verkehrssicherheitsbehörde in den USA kritisierte Takata zudem mit harschen Worten. Es droht eine Strafe von bis zu 200 Millionen Dollar. Die Aktien stürzten an der Börse zeitweise um 20 Prozent ab.

Honda betonte, tief besorgt über die Vorwürfe der US-Behörden gegen Takata zu sein. Die Airbags des japanischen Konzerns würden nicht mehr in Honda-Fahrzeuge eingebaut. Auf die technischen Probleme sollen Unfälle mit acht Toten und fast 100 Verletzten zurückgehen. In alle Todesfälle waren Honda-Fahrzeuge involviert. Das technische Problem kann dazu führen, dass die Airbags, die eigentlich für mehr Sicherheit sorgen sollen, explodieren und Metallteile herumschleudern.

Unklar ist, welche Alternativen Honda nutzen will. Der Branchendritte in Japan arbeitet bereits enger mit Zulieferern wie Autoliv, TRW Automotive und Daicel zusammen. „Wir denken noch immer, dass unser Produkt sicher ist, aber wir merken auch, dass es viele Bedenken bei Kunden und den US-Behörden gibt“, sagte Takata-Chef Shigehisa Takada in Tokio. Die genaue Ursache für den Defekt müsse noch gefunden werden.

Die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hatte am Dienstag mitgeteilt, Takata habe seit 2009 unvollständige und ungenaue Daten vorgelegt. Daher würden zunächst 70 Millionen Dollar als Strafe fällig. Weitere 130 Millionen Dollar könnten folgen, sollte sich Takata nicht fügen oder sollten weitere Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften entdeckt werden. Das wäre dann die größte Strafe der NHTSA überhaupt. 130 Millionen Dollar ist bislang der höchste Wert - dieses Jahr verhängt gegen Fiat Chrysler.

Die zum US-Verkehrsministerium gehörende Behörde wies den Konzern zudem an, bei den Aufblasvorrichtungen (Inflatoren) der Airbags künftig kein Ammoniumnitrat mehr zu verwenden. Das Mittel habe eine Rolle bei der Explosion von Airbags gespielt. Ammoniumnitrat kann instabil werden, wenn es Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Zwölf Fahrzeug-Hersteller haben nach Angaben der NHTSA 19 Millionen Autos mit mehr als 23 Millionen Inflatoren zurückgerufen. Millionen weitere potenziell betroffene Fahrzeuge könnten aber noch auf den Straßen unterwegs sein. Um die Inflatoren in den zurückgerufenen Autos auszutauschen, könnte es vier Jahre dauern, bis genügend Ersatzteile hergestellt seien.

Honda hat seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal unterdessen um knapp sieben Prozent gesteigert. Vor allem in Nordamerika konnte der japanische Konzern glänzen. Wegen des schwachen Yen hob das Unternehmen zudem seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr leicht an.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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