Hongqis Staatskarosserien
China reaktiviert Maos Limousinenhersteller

Weil Mao nicht in ausländischen Limousinen herumkutschiert werden wollte, entwickelte China einen eigenen Hersteller. Die Marke verschwand zwischenzeitlich. Nun will China den Autohersteller wiederbeleben.
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PekingDie Rote Fahne ist zurück. Die massigen Limousinen der Marke Hongqi („Rote Fahne“) gehörten in China einst zu den charakteristischsten Symbolen der Volksrepublik. Mao Zedong fuhr in den 1960er-Jahren Hongqi, während er die Roten Garden inspizierte. Als US-Präsident Richard Nixon 1972 Peking besuchte, wurde er in einer Hongqi-Limousine durch die Hauptstadt kutschiert. Auch der Komiker Bob Hope durfte Platz nehmen, wurde aber - ohne weitere Erklärung - angewiesen, ja die Finger vom Kofferraum zu lassen.

In den 1980er-Jahren wehte die Rote Fahne nicht mehr, sie wurde durch bescheidenere Modelle abgelöst. In Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern wurden unter dem Namen Hongqi Lincoln-Kopien oder umfirmierte schwarze Audis auf den Markt gebracht. Diese Zeiten sind nun vorbei: Peking lässt die Marke wiederauferstehen, als in Chrom und Stahl gegossenes Zeugnis für Chinas Stolz und Ehrgeiz.

Der neue Hongqi L7 ist seit Frühjahr in Betrieb, bei Besuchen von Würdenträgern wie Frankreichs Präsident François Hollande oder Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye kamen die Wagen zum Einsatz.

„Ausländischen Besuchern soll vermittelt werden, dass China nicht einfach nur eine weitere westliche Gesellschaft mit westlichen Waren und westlichem Geschmack werden wird“, sagt Jonathan Holslag vom Brüsseler Institut für zeitgenössische Chinastudien (BICCS). „In erster Linie will sich China vom Westen abheben, außerdem will es als starke, kräftige Macht respektiert werden.“

Der L7 ist ein sechs Meter langes Schlachtschiff mit Zwölf-Zylinder-Motor, das auf den ersten Blick einem überdimensionierten Bentley ähnelt. Ranghohe ausländische Gäste werden im L7 transportiert, chinesische Eliten dürfen sogar in den L9 einsteigen, ein noch einmal 40 Zentimeter längeres Fahrzeug, bei dem der Stückpreis angeblich über 600 000 Euro beträgt. Der L9 ist gepanzert, hat nach hinten öffnende Selbstmördertüren und ein Schiebedach, damit im Fahrzeug stehend Truppen inspiziert werden können. Gewöhnliche Minister müssen sich mit dem deutlich bescheideneren H7 begnügen, der auch schon für umgerechnet 38 500 Euro erhältlich ist.

Hongqis Zukunftsaussichten seien glänzend, weil die Marke so symbolträchtig sei, sagt der chinesische Autoenthusiast Liu Weining: „Es ist ein stabiles Auto mit einem ganz eigenen Aussehen und jeder Menge Power. Die Marke ist einzigartig, denn so viele wichtige Ereignisse in der modernen chinesischen Geschichte sind irgendwie mit der Roten Fahne verbunden.“

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Hongqi könnte mit ausländischen Modellen konkurrieren.

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