Hubbert setzt Ultimatum bis Monatsende – Bremen und Südafrika sind alternative Standorte
Mercedes droht mit Abzug der C-Klasse

Im Streit um Kostensenkungen im Mercedes-Stammwerk Sindelfingen hat die Unternehmensleitung der Belegschaft ein Ultimatum gestellt. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert drohte mit der Auslagerung der Produktion der kommenden C-Klasse nach Bremen und Südafrika, falls keine Einigung mit dem Betriebsrat über eine Kostensenkung von 500 Millionen Euro pro Jahr erreicht werde. Bis Monatsende, so der Mercedes-Chef, brauche er ein Ergebnis.

hz HAMBURG. Mit dieser klaren Ansage riskiert die Unternehmensführung offenbar bewusst eine Eskalation des Konflikts mit der Belegschaft. Bereits am Wochenende hatten die Daimler-Beschäftigten mit der Verweigerung der Zustimmung zu Samstagsarbeit in Sindelfingen gegen die Sparpläne protestiert. Dadurch konnten nach Angaben der Arbeitnehmer rund 1 000 Fahrzeuge der Mercedes-C-Klasse nicht gebaut werden.

Bei einer Auslagerung der C-Klassen-Produktion stünden 6 000 Arbeitsplätze im größten deutschen Daimler-Werk auf dem Spiel. Der Betriebsrat will am Donnerstag in allen deutschen Werken gegen die Sparpläne des Vorstands protestieren. Beide Seiten werden heute zu neuen Gesprächen zusammenkommen, hieß es.

Zu der Verschärfung des Konflikts dürfte auch die aktuelle Diskussion über längere Arbeitszeiten beitragen. Vor wenigen Wochen hatte Siemens nach harten Verhandlungen mit der IG Metall die Einführung der 40-Stunden-Woche in zwei Fabriken durchgesetzt. Auch bei Daimler geht es im Kern um Arbeitszeiten. Im Werk Bremen wird über das Jahr gerechnet zwei Wochen länger gearbeitet als in Sindelfingen.

Auslöser der Sparbemühungen bei Daimler ist die schwache Branchenkonjunktur, die den Kostendruck bei den Herstellern massiv erhöht. Die Daimler-Arbeitnehmervertreter befürchten sogar – zusammen mit geplanten Einschnitten bei der Umsetzung des Entgelt-Rahmentarifvertrags – Einbußen von insgesamt einer Mrd. Euro. Zum Vergleich: Daimler-Chrysler gibt in Deutschland pro Jahr rund sechs Mrd. Euro für Lohn und Gehalt aus.

Der Streit um die Kosteneinsparungen trifft Mercedes in einer schwierigen Phase. Wegen anstehender Modellwechsel musste die Premiummarke im ersten Halbjahr einen Absatzrückgang hinnehmen, den Hubbert jedoch bis Jahresende mit neuen Modell-Generationen wie der im Herbst auf den Markt kommenden A-Klasse wettmachen möchte. Eine lange Auseinandersetzung mit der Belegschaft könnte diese Pläne über den Haufen werfen.

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