Hückmann tritt ab
Generationswechsel beim Pharmahersteller Merz

Familienpatriarch Hückmann zieht sich zurück und holt Astra-Zeneca-Manager Burchard als neuen Vorstandssprecher in die Geschäftsführung. Hückmann bleibt Merz jedoch in anderer Stellung erhalten.
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FrankfurtDas familiengeführte Frankfurter Pharmaunternehmen Merz bekommt ab Juli einen neuen Vorstandssprecher und wird zudem erstmals ein Nichtfamilienmitglied an der Spitze des Gesellschafterrates haben. Der Pharmamanager Andreas Krebs, seit Oktober 2010 Aufsichtsratschef des Unternehmens wird zusätzlich zu diesem Amt Vorsitzender des Gesellschaftsrates und löst damit Jochen Hückmann, den Enkel des Firmengründers ab. Neuer Sprecher der Geschäftsführung wird Astra Zeneca Manager Philip Burchard. Er folgt auf Martin Zügel ab, der das Unternehmen wie angekündigt verlässt, um sich neuen Aufgaben zu widmen.

Mehr als 30 Jahre hatte Jochen Hückmann, der Enkel des Firmengründers Friedrich Merz, die Geschicke des Unternehmens maßgeblich bestimmt. Jetzt will der 69-Jährige nicht zu den Familienpatriarchen gehören, die die Zügel nicht aus der Hand geben können. „Ich habe als Unternehmer auch eine Vorbildfunktion und die will ich jetzt wahrnehmen“, begründete er seinen Schritt, sich aus dem Gesellschafterrat zurückzuziehen.

Die Satzung des Rates sieht eine Altersgrenze von 70 Jahren vor, die Hückmann im September erreicht. Der Generationswechsel ist von den Gesellschaftern seit langer Zeit geplant, sagte Hückmann bei einem Pressegespräch in Frankfurt. „Wir bei Merz haben uns gemeinsam mit der vierten Generation über mehrere Jahre intensiv auf den Übergang vorbereitet und sind zuversichtlich, die für unser Unternehmen beste Regelung gefunden zu haben.“

Hückmann tritt zusammen mit Dorothee Baatz, die die zweite Vertreterin der Gesellschafterfamilien ist, von den bisherigen Ämtern innerhalb der Merz KGaA zurück. Beide werden einfache Mitglieder des Aufsichtsrates. Zugleich übernehmen vier Gesellschafter aus der vierten Generation der beiden Familienstämme Adam und Hückmann in der Familien-Holding die Wahrnehmung der Interessen der Gesellschafter.

Der 53-jährige Buchard, künftiger Sprecher der Merz KgAA und zugleich CEO von Merz Pharma, bringt viel Internationale Erfahrung aus seinen beruflichen Stationen bei Hoechst, später Aventis und Astra Zeneca mit. Auf den studierten Betriebswirt kommt unter anderem die Aufgabe zu, Strategien zu entwickeln, um die Umsatzausfälle, die Merz mit dem Patentablauf des Alzheimer-Medikaments Memantine in den nächsten Jahren drohen, abzufedern.

Mementine sorgte im abgelaufenen Geschäftsjahr noch für knapp die Hälfte des Umsatzes von Merz. Das Frankfurter Unternehmen will sein Geschäft mit ästhetischen Produkten wie dem Botox-Konkurrenzprodukt Xeomin aber auch freiverkäuflichen Arzneimitteln (Merz Special Dragess, Tetesept) ausbauen und auch im Bereich Spezial Neurologie und medizinische Dermatologie wachsen.

Im diese Woche endenden Geschäftsjahr 2011/12 konnte Merz Pharma in allen Unternehmensbereichen weiterhin zweistellig wachsen und den Umsatz auf 900 Millionen Euro bei einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von mehr als 250 Millionen Euro steigern.

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