Hüttenkonzern
Arcelor-Mittal sucht den Draht zur Kundschaft

Den europäischen Hüttenkonzernen droht aus Sicht von Weltmarktführer Arcelor-Mittal langfristig das Aus, sollten sie sich nicht stärker auf die Bedürfnisse der Abnehmer ausrichten. Eine engere Zusammenarbeit mit den Kunden soll das Überleben des Konzerns sichern. Im Fokus steht dabei ein Bündnis mit der Bau- und der Automobilindustrie.
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LUXEMBURG. "Wenn wir als Stahlindustrie eine Zukunft in Europa haben wollen, müssen wir enger mit unseren Kunden bei der Entwicklung neuer Lösungen zusammenarbeiten", sagte Konzernvorstand Michel Wurth dem Handelsblatt.

Der Innovationsdruck ist stärker geworden

Der Konzern strebt ein engeres Bündnis mit der Bau- und der Automobilindustrie an, für die er Produkte entwickeln will. Die Anwendungsmöglichkeiten von Stahl seien bei Weitem nicht ausgeschöpft, sagte Wurth. Er ist im Vorstand für das europäische Flachstahlgeschäft, Stahlhandel und Forschung verantwortlich.

Mit dem Strategieschwenk will Arcelor-Mittal eine Lücke schließen, die in der Krise offensichtlich geworden war. Da die Stahlfirmen viele ihre Kunden vor allem aus der Bau- und Maschinenbauindustrie nicht kannen, konnten sie deren realen Bedarf nicht abschätzen. Einen engen Draht pflegen die Unternehmen in der Regel nur zu Großkunden.

Mit dem intensiveren Kontakt zu den Kunden reagiert Arcelor-Mittal auch auf die Konkurrenz neuer Werkstoffe wie Aluminium und Kohlefaser, die Stahl ersetzen sollen. Mit dem Einsatz der Materialien wollen die Autohersteller den Spritverbrauch ihrer Fahrzeuge reduzieren. "Der Innovationsdruck ist dadurch stärker geworden", sagte Wurth. Die Leistungsfähigkeit von Stahl sei nicht ausgeschöpft. Er könne helfen, das Gewicht eines Autos zu senken. Wurth erwartet daher ein Nebeneinander der Werkstoffe. "Es wird verschiedene Anwendungen geben, wo Stahl nicht die beste Lösung ist. Aber es gibt auch neue Bereiche wie etwa das Elektroauto." Auch für diese wird Stahl benötigt. Experten sehen Arcelor-Mittal mit der Strategie auf den richtigen Weg. "Die Stahlindustrie sollte den Bedarf der Stahlverwender und Endkunden besser kennenlernen, um noch besser auf deren Bedürfnisse eingehen zu können", sagte Alexander Malkwitz von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Als Industrie, die oftmals mehrere Stufen vom Endkunden entfernt sei, kenne sie diese bislang zu wenig.

Von der engeren Zusammenarbeit mit den Abnehmern erhofft sich Arcelor-Mittal auch eine größere Kundentreue. Bislang verkauft der Konzern nur 40 Prozent seines Stahls über langfristige Verträge, den Rest über den Spotmarkt. Den Verfall der Stahlpreise bekam Arcelor daher stärker zu spüren als Konkurrent Thyssen-Krupp, der den Großteil seiner Produktion über Jahresverträge absetzt. "Tendenziell werden die langfristigen Verträge zunehmen. Das entspricht unserer Strategie, denn mit Vertragskunden können wir gemeinsam etwas aufbauen", sagte Wurth.

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