Hugo-Boss-Aktionäre sind sauer
„Spielball der Heuschrecke“

Geduldsspiel bei Hugo Boss: Der Modekonzern steht mehrere Wochen nach dem Ausscheiden von Bruno Sälzer noch immer ohne Vorstandschef da. Auch auf der Hauptversammlung in Stuttgart präsentierte das Unternehmen am Donnerstag keinen neuen Vormann.

dpa-afx STUTTGART. Es gebe bereits konkrete Kontakte und Gespräche, aber noch keine Vereinbarung, sagte Aufsichtsratschef Giuseppe Vita. "Wir sind optimistisch, dass die Suche nicht mehr allzu lange dauern wird." Der frühere Vorstandschef Sälzer hatte im Februar nach Differenzen mit dem neuen Eigentümer, dem Finanzinvestor Permira, das Handtuch geworfen.

Zahlreiche Kleinaktionäre machten auf der Hauptversammlung ihrem Ärger über den Kurs des Modekonzerns nach der Übernahme durch Permira Luft. Kritik hagelte es vor allem für die Personal- und Dividendenpolitik. "Hugo Boss ist zum Spielball der Heuschrecke Permira geworden", rief ein aufgebrachter Kleinaktionär. "Wir zeigen ihnen heute, wer hier der Boss ist." Permira hatte im vergangenen Jahr Hugo Boss übernommen und hält knapp 90 Prozent der Stimmrechte an dem Metzinger Modekonzern.

Die Turbulenzen bei Boss waren offen zutage getreten, als sich der Aufsichtsrat zunächst nicht über die Ausschüttungspolitik einigen konnte. In einer Sondersitzung des Gremiums wurde dann auf Druck des Investors eine kräftige Erhöhung der Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr um 22 Prozent auf 1,45 Euro (Stammaktien) und 1,46 Euro (Vorzugsaktien) vereinbart. Zusätzlich ist eine Sonderausschüttung von 5 Euro vorgesehen. Insgesamt sollen damit rund 450 Mill. Euro ausgezahlt werden. "Das ist der Speck, den sich die Gesellschaft über Jahre hinweg angefressen hat", sagte ein Aktionär. Das Geld dürfe jetzt nicht einfach aus dem Unternehmen gegeben werden. Auch Sälzer hatte sich klar gegen diesen Schritt gewandt.

Neben Sälzer hatte auch Produktionsvorstand Werner Lackas den Hut genommen, Aufsichtsratschef Vita will den Konzern zum 30. Juni verlassen. Auch für ihn ist noch kein Nachfolger bekannt. "Es gibt Kontakte zu möglichen Kandidaten, mehr aber auch nicht." Der Aderlass im Vorstand hat den Modekonzern im ersten Quartal rund 11,5 Mill. Euro an Abfindungen gekostet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging deshalb im ersten Quartal um fünf Prozent auf 94 Mill. Euro zurück.

Die Prognose für das Gesamtjahr wurde indes bestätigt. Der Umsatz solle 2008 währungsbereinigt um sechs bis acht Prozent steigen, sagte Finanzvorstand Joachim Reinhardt. Das Ergebnis der betrieblichen Geschäftstätigkeit (Ebit) werde voraussichtlich um acht bis zehn Prozent zulegen. Im vergangenen Jahr war das Ebit im Vergleich zu 2006 um 19 Prozent auf 220 Mill. Euro geklettert, der Umsatz legt währungsbereinigt um zwölf Prozent auf 1,632 Mrd. Euro zu.

Im laufenden Jahr will Hugo Boss rund 120 Mill. Euro in den Ausbau des Geschäfts stecken. Das Geld solle vor allem in den Ausbau des eigenen Einzelhandels fließen. Hugo Boss werde bis Jahresende 60 neue eigene Läden eröffnen, sagte Reinhardt. Außerdem soll im Raum Metzingen ein neues Lager für Kleidung gebaut werden.

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