IAA
Daimler und BMW: Französische Liebschaften

Auf der größten Automesse der Welt entwickeln die deutschen Premium-Autobauer eine immer größere Liebe zu französischen Herstellern. Während BMW mit Peugeot-Citroen anbendelt, fühlt sich Daimler noch stärker zu Renault hingezogen. Die Devise lautet: Je größer, desto besser, um gegen den Riesen VW besser bestehen zu können.

FRANKFURT. Parlez vous francais? BMW und Daimler suchen angesichts des wachsenden Drucks durch den neu entstehenden Porsche-VW-Konzern nun verstärkt die Kooperation mit den französischen Herstellern. Neben den Stuttgartern, die laut Konzernkreisen künftig bei der Weiterentwicklung des Kleinwagens Smart mit Renault zusammenarbeiten wollen, peilt auch BMW einen engeren Schulterschluss mit dem Renault-Rivalen Peugeot-Citroen an. „Wir reden neben Daimler auch mit Peugeot über eine vertiefte Kooperation“, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer dem Handelsblatt am Rande der IAA. Ergebnisse mit PSA seien „aber sicher nicht mehr in diesem Jahr zu erwarten“. Experten glauben, dass die beiden Schwergewichte in München und Stuttgart kaum eine andere Wahl haben. Das Zusammengehen von Porsche und VW setzt BMW und Daimler unter Zugzwang.

Die Franzosen sind offen: „BMW ist ein hervorragender Partner“, sagt Jean-Marc Gales, Markenchef von Peugeot. Bereits jetzt kooperieren beide Hersteller erfolgreich mit kleinen Benzinmotoren für die BMW-Kleinwagenmarke Mini. Konzernchef Philippe Varin wird deutlicher. „Wir sind stark bei kleinen Motoren, BMW bei großen.“ Künftig könne man bei allen Benzinern kooperieren, die zwischen 1,4 und 2 Litern Hubraum liegen. Auch bei Klimaanlagen oder Getrieben sei eine Zusammenarbeit denkbar. Zu enge Überschneidungen zwischen den Produktpaletten fürchtet Peugeot nicht. „Unsere Wettbewerber heißen VW, Opel und Fiat“, sagt Markenchef Gales.

Ausgerechnet die beiden französischen Volumenhersteller Peugeot-Citroen und Renault werden damit für die stolzen deutschen Premium-Autobauer zur wichtigen Stütze gegen den VW-Konzern, der druch Porsche seine Stellung im Luxuswagensegment stärkt. „Daimler und BMW müssen sich überlegen, wie sie gegen diese Phalanx des VW-Konzerns im Premiumsegment angehen“, sagte der Autoexperte Willi Diez, Leiter des Insituts für Automobilwirtschaft in Geislingen.

Eine Antwort aus München und Stuttgart darauf lautet nun, die französische Karte zu spielen. Daimler verhandelt mit Renault über eine Partnerschaft für den Kleinwagen Smart und will gemeinsam mit den Franzosen eine neue viersitzige Variante des Baby-Benz entwickeln, heißt es in Unternehmenskreisen. Daimler-Boss Dieter Zetsche bestätigt in Frankfurt nur, dass „neue interessante Ideen“ auf die Tisch lägen, wie der Smart wieder zu einem Familienauto werden könnte. Zetsche ist überzeugt ist, dass der Trend wegen schärferer Umweltauflagen und steigender Spritpreise weiter in Richtung Kleinwagen gehen wird.

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