IAA
Opel: Lebenszeichen in Magna-Rot

Opel hat heute seinen neuen Hoffnungsträger präsentiert - den neuen Astra. Die Bühne IAA war dafür gerade gut genug. Nun will Opel mit dem Insignia und dem Astra in eine bessere Zukunft durchstarten. Ein Stimmungsbericht vom Opel-Stand auf der größten Automesse der Welt.

FRANKFURT. Die Uhr tickt. Noch eine Minute bis zur Weltpremiere des neuen Opel Astra. Bässe hämmern aus Lautsprechern. Vor der Bühne quetschen sich Zuschauer. Sie warten auf den Hoffnungsträger. Jener Kompaktwagen, mit dem Opel neben dem Mittelklasseauto Insignia wieder glänzen soll. Alles ist neu, signalisieren die Rüsselsheimer: Der Investor Magna, der Kompaktwagen Astra, sogar der Slogan: „Wir leben Autos“, lautet der jetzt.

Der künftig starke Mann in Rüsselsheim betritt die Bühne. „Wir setzen damit einen Punkt“, ruft Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster. Dann gleitet die Stoffhülle vom neuen Modell, das in Rotmetallic auf der Bühne thront – die Magna-Firmenfarbe.

Für Opel ist die IAA ein Neuanfang. Nach der Entscheidung des bisherigen Mutterkonzerns General Motors für einen Verkauf an das Konsortium aus dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und der russischen Sberbank wollen die Rüsselsheimer Signale senden, wohin die Reise geht. Forster ist deshalb nicht allein. Demonstrativ nehmen auch Magna-Ko-Chef Siegfried Wolf und Sberbank-Boss German Gref kurz vor Beginn der Show in der ersten Reihe vor der Bühne Platz.

Der Astra ist noch immer das wichtigste Modell der Rüsselsheimer, steht er doch für bis zu einem Drittel aller Opel-Verkäufe. In der Spitze will Opel von dem Auto, das ab November auf den Markt kommen soll, bis zu 500 000 Stück verkaufen. Die Erleichterung darüber, dass trotz des Gezerres um die Zukunft des Autobauers das wichtigste Modell nun in den Startlöchern steht, ist auf dem weiten Messestand in Halle 8 überall zu spüren.

Mit dem Astra muss Opel durchstarten. Denn im Heimatland hat die Marke mit dem Blitz in den vergangenen Jahren an Boden verloren. Der Marktanteil in Deutschland sank von 17 Prozent im Jahr 1995 auf 7,9 Prozent im Vorjahr. Opel-Marketingchef Alain Visser will die Ziffer nun wieder über acht Prozent heben.

Der Nervenkrieg um die Zukunft von Opel hat der Marke nach Ansicht von Experten jedoch weiter geschadet. Opel schwimmt nach Aussage von Visser allerdings derzeit auf einer „Sympathiewelle“. Die mehr als ein dreiviertel Jahr andauernde Unsicherheit über den Investor habe der Marke nicht geschadet. „Alle Daten, die wir bis jetzt bekommen haben, zeigen, was man spontan nicht erwarten würde – dass die Marke gestärkt aus der Krise kommt.“

Doch der Astra startet in ein schwieriges Umfeld. Nach dem Auslaufen der Abwrackprämie rechnen führende Automanager damit, dass der deutsche Automarkt im nächsten Jahr auf 2,8 Millionen Neuzulassungen einbrechen wird, nach voraussichtlich 3,5 Millionen in diesem Jahr.

Aber nach Monaten der Ungewissheit gibt es jetzt eine Zukunftsperspektive. „Es ist eine Perspektive, die wir nutzen werden“, sagt Forster. Nach dem Magna-Masterplan soll Opel bereits 2011 wieder Gewinne schreiben. Vorher wird die Restrukturierung allerdings noch hohe Verluste bescheren. Die notwendige Anpassung der Kapazitäten und der Stellenabbau werden ins kommende Jahr hinein „zu Einmalkosten führen, die einen Gewinn sicher nicht denkbar machen“, räumt der Topmanager ein. So bleibt dem Manager und dem Unternehmen nur die Flucht nach vorne. Ein Flopp des Astra ist dabei nicht vorgesehen. Der Wagen ist zum Erfolg verdammt.

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