IBM-PLI
Finanzkrise bremst Globalisierung

Die dramatische Situation an den weltweiten Finanzmärkten verleiht dem Boom der Auslandsinvestitionen einen Dämpfer. Das spiegelt sich auch in den IBM-Statistiken wieder. Die Branche, die 2005 noch unter den fünf größten Auslandsinvestoren war, ist jetzt nicht einmal mehr unter den Top Ten. Als nächstes dürfte es unternehmensnahe Dienstleister und die IT-Branche treffen.

LONDON. Schon im zweiten Halbjahr 2007 habe es weniger internationale Investitionsprojekte gegeben als ein Jahr davor, sagt Roel Spee, Leiter der IBM-Sparte Plant Location International (PLI). Das zeigt die jährliche Statistik des Beratungshauses über internationale Investitionsprojekte. Seither seien die Unternehmen noch vorsichtiger geworden. Sie verschöben Projekte wegen der trüben wirtschaftlichen Aussichten oder Problemen mit der Finanzierung.

"2006 war ein Rekordjahr für Auslandsinvestitionen, doch auch 2007 war im langfristigen Vergleich noch ein sehr starkes Jahr", sagt Spee im Gespräch mit dem Handelsblatt. Rund 10 000 Investitionsprojekte im Ausland haben Unternehmen im vergangenen Jahr weltweit angeschoben. 1,2 Millionen Arbeitsplätze werden dadurch entstehen. Doch im bisherigen Rekordjahr 2006 waren es noch 1,5 Millionen. Darin drückt sich Vorsicht aus. Mutiger sind die Unternehmen allerdings in der Standortwahl geworden. China und Indien verloren Projekte an Länder, die vor wenigen Jahren noch gar nicht in die engere Auswahl gekommen wären. Ein überraschender Sieger des Trends ist Afrika.

IBM-PLI ist eine der großen Beratungsfirmen für die internationale Standortsuche und hat daher einen einmaligen Einblick in grenzüberschreitende Investitionsprojekte. Seit 2003 hat sie 70 000 Projekte in ihrer Datenbank erfasst. Die Zahlen sind besonders aussagekräftig, weil sie nur tatsächlich getroffene Standortentscheidungen und im Gegensatz zu anderen Statistiken nicht die Ausgaben für Firmenkäufe im Ausland enthalten.

"Ich erwarte, dass niedrigere Kosten als Grund für Auslandsinvestitionen wieder stärker in den Vordergrund treten werden", sagt Spee. "Das bietet neuen Ländern Chancen, sich als Standort zu profilieren." Der strukturelle Trend der Globalisierung bleibe intakt, auch wenn die Krise jetzt die Entwicklung vorübergehend verlangsame.

"Was wir im Moment erleben, ist dass Unternehmen zögern und Projekte verschieben, weniger, dass sie ganz davon Abstand nehmen", sagt Spee. "Unternehmen, die ihre Investitionen stark auf Fremdfinanzierung stützen, werden es jetzt schwerer haben. Mit konkreten Beispielen kann ich da aber noch nicht aufwarten." Darum seien jetzt Länder im Vorteil, die ansiedlungswilligen Unternehmen Subventionen anbieten können.

Der Verlauf der aktuellen Wirtschaftskrise zeigt sich in den IBM-Statistiken. Bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 2007 gab es eine spürbare Abkühlung im Finanzsektor. Die Branche, die 2005 noch unter den fünf größten Auslandsinvestoren war, ist jetzt nicht einmal mehr unter den Top Ten. Als nächstes dürften unternehmensnahe Dienstleister und die IT-Branche ihre Aktivitäten zurückfahren.

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