„Ich bin kein Steuerflüchtling“
Milchbaron Müller zieht es in die Schweiz

Der Molkereibesitzer Theo Müller wird im November endgültig seinen Wohnsitz sowie Teile der Führungsspitze des drittgrößten deutschen Milchverarbeiters in die Schweiz verlegen. Er hat sogar mit einer Verlagerung des Müller-Milch-Konzernsitzes in die Schweiz gedroht.

HB LEPPERSDORF. Zugleich verteidigte der Unternehmer seine Entscheidung, wegen der deutschen Erbschaftssteuer persönlich in die Schweiz umzuziehen. „Ich kann nicht akzeptieren, dass es diese Steuer in Deutschland gibt“, sagte Müller am Montag in Leppersdorf bei Dresden. Sollte sich die Situation ändern, kehre er nach Deutschland zurück. Müller ist Alleingesellschafter der Müller-Milch-Gruppe mit Sitz in Aretsried bei Augsburg .

Sollte die Erbschaftssteuer nicht in der nächsten Zeit fallen, werde er dauerhaft in der Schweiz bleiben, kündigte Müller an. In der Schweiz muss Müller nach eigenen Angaben nach Ablauf von fünf Jahren keine Erbschaftssteuer bezahlen. Es sei denkbar, dass „Müller-Milch“ künftig eine Schweizer Gesellschaft mit Betriebsstätten in Deutschland sei, sagte der Alleingesellschafter der größten privaten deutschen Molkerei.

Nach Müllers Angaben müssten seine Erben derzeit rund 200 Mill. € Schenkungs- und Erbschaftssteuer auf das Betriebsvermögen zahlen. „Das ist extrem Existenz gefährdend für ein Unternehmen, in dem eigentlich alles in Ordnung ist.“ Müller zieht ab 15. November mit seiner Familie in ein Haus bei Zürich. „Ich befolge den Rat meiner Berater und mache keine krummen Sachen“, sagte Müller, der in vierter Generation das Unternehmen führt. „Ich bin kein Steuerflüchtling“, betonte er. Statt die Erbschaftssteuer auf Betriebsvermögen zu zahlen, wolle er das Geld jedoch lieber in sein Unternehmen investieren. Die in Deutschland erzielten Gewinne blieben hier weiter voll steuerpflichtig.

Müller appellierte an die Politik, neue Regelungen für Familienunternehmen zu erlassen. „Es kann nicht sein, das diese Unternehmen gegenüber Aktiengesellschaften benachteiligt werden“, betonte Müller. Andere europäische Länder wie England hätten diese negativen Folgen abgeschafft. „Ich habe nur zwei Alternativen: entweder investiere ich oder schaffe Rückstellungen zur Bezahlung der zu erwartenden Erbschaftssteuer. Beides geht nicht.“

Die Müller-Milch-Gruppe mit den Unternehmen Müller-Milch, Sachsenmilch, Weihenstephan, der Käserei Loose sowie einer Spedition und einer Verpackungsfirma erreichte 2002 einen Umsatz von rund 1,7 Mrd. €. In diesem Jahr wird mit 1,9 Mrd. € gerechnet. Rund 4500 Mitarbeiter sind in den Werken in Aretsried, Leppersdorf, Freising und in England beschäftigt.

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