IFRS
BASF schraubt Erwartungen wegen neuer Bilanzregeln nach unten

Der Chemiekonzern rechnet mittelfristig mit weniger Umsatz und schlechterem Ergebnis als ursprünglich prognostiziert. Grund dafür sind neue Bilanzstandards. Die würden alle wesentlichen Kennzahlen beeinflussen, so BASF.
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LudwigshafenDer Chemiekonzern BASF hat wegen neuer Bilanzregeln seine mittelfristigen Umsatz- und Ergebnisziele herabgesetzt. Neue Vorschriften des Bilanzstandards IFRS führten dazu, dass künftig wichtige Gesellschaften und Gemeinschaftsfirmen anders als bisher in der Konzernbilanz erfasst werden – mit erheblichen Auswirkungen für deren Umsatz- und Ergebnisbeiträge, wie das weltgrößte Chemieunternehmen am Freitag in Ludwigshafen mitteilte. „Alle wesentlichen Kennzahlen der BASF-Gruppe verändern sich“, erläuterte Manfredo Rübens, Leiter des Bereichs Finanzen, die neuen Vorschriften. Für 2015 erwartet BASF deshalb nun einen Konzernumsatz von 80 Milliarden Euro statt bisher 85 Milliarden Euro. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werden 2015 nun 14 Milliarden und damit eine Milliarde Euro weniger als bisher angepeilt.

Die neuen Bilanz-Vorschriften (IFRS 10 und IFRS 11) führen unter anderem dazu, dass die Ergebnisbeiträge der Ölförderaktivitäten in Libyen der Öl- und Gas-Tochter Wintershall sowie des Gemeinschaftsunternehmens BASF-YPC im Konzernabschluss sinken. Das Joint Venture von BASF und der chinesischen Sinopec betreibt den großen Chemiestandort in Nanjing. Die Gesellschaften stehen künftig nicht mehr voll oder anteilmäßig in den Büchern, sondern nur noch mit ihrem Equity-Ergebnis. Bei Wintershall fallen damit aber auch die stets hohen Ölfördersteuern in Libyen aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Weitere neue Regelungen (IAS 19), die Pensionsleistungen betreffen, haben zudem Auswirkungen auf die Höhe des Finanzergebnisses.

Nach den geänderten FRS-Vorschriften liegt der Jahresumsatz des Konzerns 2012 jetzt bei 72,13 Milliarden Euro – das sind 6,6 Milliarden Euro weniger als bisher. Der Betriebsgewinn (Ebit) vor Sondereinflüssen – wie etwa Restrukturierungen – beträgt nun 6,65 Milliarden Euro, das sind rund 2,2 Milliarden Euro unter dem bisher ausgewiesenen Wert. Die neuen Regeln sind ab 2014 verpflichtend in der EU anzuwenden – BASF führt sie bereits im laufenden Jahr ein. Damit nähert sich BASF in der Rechnungslegung auch seinen großen US-Rivalen Dow Chemical und DuPont an.

Auch die Ziele für 2020 passte der Konzern an: BASF strebt nun 110 Milliarden Euro Umsatz an statt bisher 115 Milliarden Euro. Das Ebitda-Ziel 2020 senkte BASF um eine Milliarde auf 22 Milliarden Euro. Die neuen Mittelfristziele für 2015 und 2020 beinhalten noch nicht den geplanten Anteilstausch mit dem Erdgasriesen Gazprom, der bis Jahresende unter Dach und Fach sein soll. Die Russen wollen unter anderem die Erdgashandels- und Erdgasspeichergeschäfte übernehmen, die bisher gemeinsam mit Wintershall betrieben wurden.

An seinem Geschäftsausblick für das laufende Jahr hielten die Ludwigshafener fest. Der Chemieriese will seinen Absatz ohne Berücksichtigung von Zukäufen und der Trennung von Geschäftsteilen erhöhen. Umsatz und Betriebsgewinn (Ebit) vor Sondereinflüssen sollen 2013 über den angepassten Werten des Vorjahres liegen. BASF strebt an, auch in diesem Jahr eine hohe Prämie auf die Kapitalkosten zu verdienen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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